Das »weil« und der Wandel

Peter pflanzt schöne Blumen.

Peter pflanzt schöne Blumen.

Sprachwandel ist ein viel gebrauchtes, viel erforschtes und sicher auch viel gehasstes Wort. Der Dativ, der dem Genitiv sein Tod ist, Anglizismen, die sich überall einschleichen, und Abkürzungen, die um sich greifen, begegnen uns jeden Tag. Ein relativ aktuelles Phänomen, das Sprachpflegern dabei auf den Magen schlägt, ist der weil-Satz. Seit einiger Zeit wird dieser nämlich oft nicht mehr entsprechend all der anderen Nebensätze gebildet, sondern sein Verb bekommt eine neue Stellung, die der von Hauptsätzen entspricht: In Hauptsätzen wie »Peter pflanzt schöne Blumen.« oder »Schöne Blumen pflanzt Peter.« steht das finite Verb – also das Verb, das die Personen- und Zeitform anzeigt – klassischerweise an der zweiten Stelle. Bei Nebensätzen sieht das ganz anders aus. Diese werden durch Wörtchen wie »obwohl«, »damit«, »sodass« usw. eingeleitet. Sie werden als Subjunktionen bezeichnet und stellen die Verbindung zum Hauptsatz her, wobei das Verb dann wiederum an der letzten Stelle steht.

Aus Nebensätzen werden Hauptsätze

Beim weil-Satz scheint sich nun eine Besonderheit einzuschleifen: In der gesprochenen Sprache kommt es mit steigender Häufigkeit vor, dass das Verb plötzlich an die zweite Stelle wandert, obwohl es dort ja eigentlich gar nicht hingehört. Aber ist das falsch? Sprachwandelpessimisten finden: Ja.
Tatsächlich liest sich ein weil-Satz mit Verbzweitstellung eher stirnrunzelnd: »Peter gießt seine Blumen, weil er sieht sie gerne blühen.« Der Nebensatz sieht auf einmal aus wie ein Hauptsatz, die alte Konvention ist nicht mehr zu erkennen. Sprechern solcher Sätze wird dabei oft unterstellt, sie seien für die korrekte Satzbildung zu faul und die neuen Medien hätten einen erschreckenden Einfluss auf sie und unsere Sprache. Es wurde und wird angenommen, das Wörtchen »weil« werde einfach mit dem begründungsliefernden »denn« verwechselt. Bei Sätzen, die durch »denn« eingeleitet werden, handelt es sich nämlich nicht um Neben-, sondern um Hauptsätze, das heißt, ihr Verb steht an zweiter Stelle. Aber liegt hier wirklich eine Verwechslung vor? Entgegen dieser Meinung haben Sprachwissenschaftler bezüglich des weil-Satzes allerhand herausgefunden.

Das »weil« erschließt sich neue Felder

Sie haben die weil-Sätze noch einmal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: Beim Vergleich verschiedener Satzkonstruktionen, in denen »weil« vorkommt, sind die unterschiedlichen Verbstellungen auch mit unterschiedlichen Bedeutungen verknüpft. In der mündlichen Sprache weiß der Sprecher also sehr wohl, in welchen Momenten er das Verb an die zweite Stelle schiebt.
Statt einer Abflachung der Sprache, die allseits behauptet und ängstlich beobachtet wird, liegt also in Wahrheit eine weitere Differenzierung und gesteigerte Komplexität in der Konstruktion von weil-Sätzen vor. So konnten drei verschiedene Typen von Nebensätzen mit »weil« ausgemacht werden: Zunächst gibt es das faktische »weil«, das uns allen als korrekt bekannt ist und für das auch alle Sprachpfleger plädieren. Hier steht das Verb wie gehabt an letzter Stelle. Der Nebensatz gibt hier bezogen auf den Hauptsatz die Antwort auf die Frage »Warum ist das so?«. Ein Beispiel: »Peter gießt seine Blumen, weil sie wachsen und gedeihen sollen.«
Neben dieser Kategorie gibt es das schlussfolgernde »weil« in Sätzen mit Verbzweitstellung. Hier gibt der weil-Satz Antwort auf die Frage »Woher weißt du das?« – »Peter hat seine Blumen gegossen, weil die Gießkanne steht noch draußen.« Hier wird mit dem »weil« kein faktischer Grund geliefert, sondern eine Begründung, die aus der Umgebung abgeleitet ist.
Nebensätze mit sprechhandlungsbezogenem »weil«, bei denen das Verb auch an zweiter Stelle steht, liefern schließlich die Begründung dafür, warum die vorangegangene Aussage mit dem Hauptsatz überhaupt gemacht wurde: »Nachher regnet es wahrscheinlich, weil das kam gestern im Wetterbericht.«

Keine Angst vorm Sprachwandel

Statt dass sich der deutsche Nebensatz mit »weil« also vereinfacht und an Komplexität verliert, kann er mit seinen unkonventionellen Formen ganz im Gegenteil sogar noch eine Menge anderer Gesprächsfunktionen übernehmen. Pessimistische Befürchtungen im Hinblick auf diese Entwicklung sind daher relativ ungerechtfertigt, schließlich befindet sich unsere Sprache in einem steten Wandel. Nicht nur grammatische Formen, sondern auch eine Vielzahl von Wörtern, die wir heute als altmodisch oder unpassend empfinden, haben früher in die allgegenwärtige Alltagssprache gehört und sich von dort aus zusehends an die Peripherie bewegt – und das ohne, dass man sie heute großartig vermisst, weil sie durch neue Wörter oder Formen ersetzt wurden. Ob sich also auch der weil-Satz in seiner aktuell häufigen Verwendungsform irgendwann durchsetzt und seinen Weg in den Duden findet, bleibt noch offen. Wir sind gespannt.

Vom »Weib« zur »Frau«

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Wenn man heutzutage das Wort »Weib« gebraucht, dann nur, um einer missfälligen Bemerkung Luft zu machen. Weiberabend, Weibsbild, Weiberkram, Waschweib und alles andere, was mit Weib zu tun hat, besitzt in unserer Sprache eine negative Konnotation. Weibisch ist im Gegensatz zu weiblich ein abwertender Begriff, in der Sprachwissenschaft auch pejorativ genannt.
Doch das war nicht immer so. Im Alt- und Mittelhochdeutschen, das heißt etwa bis zum 13. Jahrhundert, war das Wort wîp bzw. wîb, von dem Weib abgeleitet ist, noch ein ganz neutral besetzter Ausdruck, der der einfachen Geschlechtsbezeichnung diente. Wîp/wîb war der gängige Begriff ohne jeglichen negativen Beigeschmack und setzte sich auch neutral bis ins Frühneuhochdeutsche fort. So muss man heutzutage also keine bösen Absichten des Autors vermuten, wenn in frühen deutschen Texten vom Weib die Rede ist, sondern kann auf eine unbefangene Wortbedeutung schließen.

Mit »Frau« ist man(n) auf der sicheren Seite

Doch wie hat sich dann das heute verwendete Wort »Frau« durchgesetzt? Der Ursprung liegt hier in den Wörtern frouwe bzw. vrouwe. Diese benannten eine weibliche Adelsperson und wurden zur Markierung der Standesunterschiede gebraucht. Äquivalent zur männlichen Anredeform »Herr« waren sie als weibliche Titelbezeichnungen zu verstehen.
Der Bedeutungswandel, der schließlich das Wort »Weib« herabsetzte und »Frau« in die Alltagssprache eingehen ließ, ist ein unabsichtlicher Nebeneffekt: Vermutlich aus Prestigegründen, der Höflichkeit halber und um die Gesprächspartnerin nicht zu erniedrigen, wählte man(n) eine schmeichelhafte Anrede, obwohl diese möglicherweise nicht standesgemäß war. So war man(n) immerhin auf der sicheren Seite, falls man(n) es doch mit einer Edeldame zu tun hatte. Die regelmäßige Verwendung dieses sprachlichen Mittels führte dann zur Durchsetzung der Bezeichnung »Frau« für weibliche Personen und zur Abwertung des Begriffs »Weib«.

Hinter jeder »Frau« steckt am Ende ein »Herr«?

Schaut man jedoch genauer hin (oder schlägt im etymologischen Wörterbuch nach), stellt sich heraus, dass selbst die Bezeichnung wîp/wîb schon einen Ursprung besitzt, der uns an konservative Rollenbilder denken lässt: Das vermutlich vom indogermanischen abgeleitete uei-b- bzw. uei-p-, was »drehen, sich schwingend bewegen« bedeutet, soll an »die sich geschäftig hin und her bewegende Hausfrau« angelehnt sein.
Dementsprechend geht aber auch frouwe/vrouwe mit seinem Wortstamm fro auf eine althochdeutsche Bezeichnung für »Herr« zurück, sodass frouwe eigentlich dem Wort »Herrin« entspricht.

Und am Ende ist der Kerl sprichwörtlicher Sieger

Ein Zeichen für männliche Dominanz? Wahrscheinlich. Und dafür muss man gar nicht so tief im etymologischen Wörterbuch kramen. Nicht nur Wortursprünge, sondern auch zahlreiche Redewendungen machen deutlich, wer in unserer Sprache die Hosen anhat. Während sich viele dieser Wendungen zu Zeiten der Ständegesellschaft herausbildeten, in der die Unterdrückung und Benachteiligung der Frau (bzw. des wîp/wîb) an der Tagesordnung stand, ist es erstaunlich, wie sich das angeblich abgelegte Patriarchat auch heute noch ganz unbemerkt in unserer Sprache wiederfindet. Allerdings muss man gar kein ausgekochter Spitzbube sein, um bei all den Redensarten am Mann zu bleiben und nicht den Überblick zu verlieren. Dabei die eindeutig positive Besetzung für mit Männlichkeit assoziierte Wörter außer Acht zu lassen, wäre eine Milchmädchenrechnung. So gehen die meisten weiblichen Zuschreibungen eben auch heute noch mit einer negativen Konnotation einher. Das Wort »Weib«, das ja im Ursprung gar kein abwertender Begriff gewesen ist, hat heute eine weit degradierendere Bedeutung als sein Gegenstück »Mann« oder »Kerl«. Da ließe sich eine herrliche Liste anlegen – mein lieber Herr Gesangsverein.

VERSTEHST DU JETZT BESSER, WAS ICH MEINE …?!?!?!

anabelle
In Zeiten von Emojis und Kurztextnachrichten tendieren wir immer mehr dazu, unsere Aussagen durch typografische Elemente unterstreichen zu wollen. Davon sind auch Autoren nicht ausgenommen. Doch wird der Einsatz von Stilelementen – denn dazu werden die folgenden Beispiele in einem Roman – durch übermäßigen Gebrauch bedeutungslos.

Gezielt verwendete Auslassungspunkte können suggerierend wirken … Stehen sie jedoch am Ende jedes zweiten Satzes, wirkt es, als wären sich ein Erzähler oder eine Figur ihrer Aussagen selbst nicht sicher. In einem Dialog kann die Kombination aus Frage- und Ausrufezeichen die Betonung eines Satzes unterstreichen. Doch ist es nicht viel spannender, diese mit Worten zu verdeutlichen?! In einem Roman kann das Schreiben in Großbuchstaben das Augenmerk des Lesers punktuell auf die WICHTIGKEIT oder Art und Weise einer Aussage hinweisen. IN EINEM FORT WIRKEN SIE JEDOCH ALBERN. Und wenn in einer Konversation ständig Ausrufezeichen am Satzende folgen, könnte man meinen, die handelnden Personen hätten einen leichten Hang zur Aggressivität! Das braucht kein Mensch! Geschweige denn ein Roman!

Lassen Sie lieber Worte sprechen. Dem Lesefluss tut es genau so gut wie der Atmosphäre: Stellen Sie sich der Herausforderung und bedienen Sie sich am großen Wortschatz unserer schönen Sprache. Lassen Sie Ihre Figuren nachdrücklich flüstern, stirnrunzelnd fragen, mit Misstrauen in der Stimme schreien oder auch mal schallend lachen. In den imaginären Ohren Ihrer Leser werden die gesprochenen Worte einen individuellen Ton annehmen. Und sollte dann doch einmal etwas ausgelassen oder angedeutet werden … eine Verwunderung unterstrichen – wirklich jetzt?! – oder ein besonders lautes Schreien UNERLÄSSLICH sein, fällt es Ihren Lesern auf. Und sie schmunzeln dabei, halten vor Spannung die Luft an oder erschrecken sich womöglich sogar.

Ist die Liebe zur typografischen Lautmalerei dann doch so unbändig groß, dass sie in der Lektüre vertieft werden will, empfehlen wir den Griff zu einem der vielen gelungenen Comics oder einem Roman von Walter Moers.

Geliked? Gelikt? Geliket?

geliked
Like: Für dieses aus dem Englischen ins Deutsche eingewanderte Verb ist Facebook verantwortlich – genau genommen der »Like«-Button. Hat man den »Gefällt mir«-Button gedrückt, hat man einen Beitrag, ein Bild oder die Rotkel-Facebook-Seite geliked … gelikt oder doch etwa geliket?

Wie also wird die Partizipform von liken gebildet? Die einzig korrekte Regel der Flexion eingedeutschter Verben gibt es nicht, dafür aber eine Empfehlung der Duden-Redaktion; diese bevorzugt die gleichen Regeln wie für die deutschen Verben.

Die Grundformel zur Bildung von Partizipformen schwacher Verben lautet: ge + Wortstamm + t. Der Wortstamm ist das, was übrig bleibt, wenn man die Vor- und Nachsilbe und die Flexionsendung abzieht; bei liken ist der Wortstamm lik. Nach dieser Formel lautet die Partizipform von like gelikt (ge + lik + t = gelikt). Klingt komisch, ist aber so.

Nach diesem Muster werden auch andere Partizipien schwacher Verben gebildet: faken/gefakt, tunen/getunt, managen/gemanagt, mobben/gemobbt, crashen/gecrasht, booten/gebootet, flirten/geflirtet, posten/gepostet, downloaden/gedownloadet, dealen/gedealt, mailen/gemailt, joggen/gejoggt, clicken/geclickt, shoppen/geshoppt, twittern/getwittert.

Also, alles klar? Wir hoffen, ihr habt nach der Lektüre dieses Blogs brav unsere Rotkel Facebook gelikt, geshart, getwittert und geinstagramt.

Abschlussarbeit mit Mehrwert: Interview mit einem der Macher von die-masterarbeit.de

Team_Die MasterarbeitNicht nur Großkonzerne, auch klein- und mittelständische Unternehmen bieten Studierenden Themen für Abschlussarbeiten an. Mit mittlerweile 700 Firmen in der Datenbank hilft die Internetplattform die-masterarbeit.de Studierenden dabei, das passende Masterarbeitsthema in einem Unternehmen zu finden. Über das Projekt sprachen wir mit Steffen Bünau, einem der Gründer der Seite.

Rotkel: Gemeinsam mit zwei Kommilitonen betreibst du das Internetportal die-masterarbeit.de, auf dem Studierende in der Themenfindung zu ihren Abschlussarbeiten unterstützt werden. Was findet man auf eurer Internetseite genau, und wie kam es zu der Idee für das Projekt?

Steffen Bünau: Auf unserer Webseite findet man mehr als 1.300 Themenvorschläge für Abschlussarbeiten bei Unternehmen. Studierende können durch www.die-masterarbeit.de oder www.die-bachelorarbeit.de ein Thema finden und eine Arbeit schreiben, die danach nicht in der Schublade verstaubt, sondern konkreten Mehrwert schafft. Wir stellen auf unserer Plattform das Thema in den Vordergrund. Ein Beispiel aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften wäre eine Fragestellung wie „Erarbeitung von neuen Vergütungsstrukturen, Sachleistungen und Arbeitsbedingungen für die Generation Y“. Das Unternehmen hinter dieser Frage ist nicht zwangsläufig allen Studierenden bekannt, über Fragestellungen wie diese bieten wir so Studierenden die Chance, neue Unternehmen kennenzulernen. Damit sind wir auch schon bei der Entstehungsgeschichte: Wir haben selbst unsere Abschlussarbeiten mit Unternehmen hinter uns geschrieben. Unser Problem bei der Suche nach einer Aufgabe für die Abschlussarbeit war, dass es eben nicht möglich ist, über ein Thema ein Unternehmen zu finden – das bedeutet, unser Pool war begrenzt auf die Unternehmen, die wir bereits kannten. Das möchten wir mit die-masterarbeit.de ändern.

Euer Ziel ist es nicht nur, Studierenden bei der Themenwahl für die Master- oder Bachelorarbeit behilflich zu sein, sondern auch Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchs zu unterstützen. Wie kommen Studierende und Unternehmen über eure Seite zusammen?

Wir halten den Prozess so einfach, wie es geht: Nach der Auswahl des Fachgebietes und der Region zeigen wir dem Studierenden alle relevanten Themen. Ohne Anmeldung und komplett kostenlos. Ist ein Thema spannend, gelangt der Studierende mit einem Klick auf die Seite des Unternehmens und kann dort den Bewerbungsprozess starten. Für die Unternehmen ist dies eine große Chance, mit ihren Aufgaben für sich zu werben. Dies ist insbesondere für weniger bekannte Firmen, Hidden Champions und einen Großteil des innovativen Mittelstandes sehr relevant. Das zeigt sich auch daran, dass die meisten Unternehmen sich aktiv bei uns melden, damit wir den Studierenden immer die aktuellsten Themen zeigen. Zu Beginn, als wir die Themensammlung eher für uns selbst schufen, haben wir noch viel gegoogelt, dank der großen Nachfrage erhalten wir die meisten Themen inzwischen direkt. Sollte einmal kein Thema für die Studierenden dabei sein, helfen wir auch bei Initiativbewerbungen, durch unsere Datenbank haben wir einen guten Überblick über Themen und Unternehmen im Bundesgebiet.

Auf eurer Facebook-Seite habt ihr vor Kurzem von einem mittelständischen Unternehmen aus Bayern berichtet, das über die-masterarbeit.de viele hoch qualifizierte Bewerbungen zugeschickt bekommt. Welche Resonanz hat das Projekt bisher? Wer nutzt euer Angebot?

Das Projekt hat sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Unternehmen eine überraschend große Resonanz. In den Monaten seit der ersten Version unserer Seite hatten wir mehr als 70.000 Seitenaufrufe. Die große Aufmerksamkeit, die einige spezialisierte Unternehmen über unsere Seite erfahren haben, ging sogar so weit, dass uns Unternehmen baten, ihr Angebot nach wenigen Tagen wieder zu entfernen, da die Vielzahl der bereits eingegangenen Bewerbungen erst einmal verdaut werden musste. Das Interesse der Unternehmen stieg zum neuen Semester und nach dem Bericht im Deutschlandfunk schnell an, sodass wir im Moment knapp 700 Firmen in unserer Datenbank haben. Thematisch decken wir alle Fachbereiche ab, das größte Angebot gibt es aktuell in den Kategorien Ingenieurwissenschaften, Informatik, Wirtschaftswissenschaften und den Naturwissenschaften.

Eine Abschlussarbeit kann auch unabhängig von einem Unternehmen geschrieben werden. Welche Vorteile bringt es deiner Meinung nach, wenn sich Studierende für eine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen entscheiden? Welche Vorteile haben Unternehmen von den Studierenden?

Zum einen kann man über eine spannende Aufgabe Unternehmen finden, die einem vorher unbekannt waren: Es gibt eine Vielzahl wirklich spannender Unternehmen, die nicht sofort ins Auge fallen. Zum anderen ist die konkrete Projektarbeit ein sehr effektiver Einstieg in ein Unternehmen, sodass es oft zu Übernahmeangeboten kommt.

Was sollten sowohl Studierende als auch Unternehmen bei der Themengestaltung beachten?

Wichtig ist, dass Bachelorarbeit und Masterarbeit akademische Prüfungsleistungen sind: Das bedeutet, dass das Thema früh mit potenziellen Betreuern abgestimmt werden sollte. Durch eine frühzeitige Kommunikation lassen sich mögliche Probleme vermeiden, dazu haben wir Informationen auf unserem Blog gesammelt.

Zurzeit betreut ihr die-masterarbeit.de neben dem Studium. Irgendwann seid ihr mit der Uni fertig. Gibt es bereits Pläne für die Zukunft des Projekts?

Wir lösen ein echtes Problem für Studierende und helfen innovativen Unternehmen, interessierte Studierende zu finden: Wir wollen unser Projekt in jedem Fall auch nachhaltig aufstellen.

Vielen Dank für das Interview.

Foto: Das Team von die-masterarbeit.de. Steffen Bünau in der Mitte.

Buterbrod бутерброд

buterbrodyVon 1999 bis 2008 erklärte eine deutsche Agrarmarketing-Organisation den letzten Freitag im September zum Tag des Butterbrotes, der bis heute von manchen Bäckereien für Werbeaktionen genutzt wird.

Das Butterbrot ist nicht nur einer der beliebtesten Pausensnacks in Deutschland, sondern auch eines der am häufigsten gebrauchten deutschen Lehnwörter im Russischen. Wer in Russland ein »buterbrod« bestellt, findet auf der Brotscheibe allerdings nicht nur Butter, dafür aber umso mehr Wurst, Käse oder Kaviar vor. Es entspricht also eher einem belegten Brot.

Wann der Begriff in den russischen Sprachschatz Eingang gefunden hat, ist nicht eindeutig nachgewiesen. Eine häufige Erklärung macht russische Soldaten zu Kriegszeiten für das deutsche Lehnwort verantwortlich. Als fester Bestandteil der russischen Küche wird das »buterbrod« heutzutage besonders gern bei Abendveranstaltungen und Festlichkeiten in vielfältigen Variationen serviert.

Polnischer Abgang variiert

Polnischer Abgang

Wer von einer Party verschwindet, ohne sich von Gastgeber und Gästen zu verabschieden, macht im Deutschen einen »polnischen Abgang« oder »verabschiedet sich auf Französisch«. Die umgangssprachliche Redewendung variiert in Deutschland von Region zu Region. Im Berliner Raum greift man auf Polen, in Südwestdeutschland auf Frankreich zurück.

Den Polen oder Franzos’ machen

Woher die Redewendungen kommen, ist nicht eindeutig geklärt. Der polnische Abgang ist wahrscheinlich nach dem Mauerfall entstanden, zu einer Zeit, in der Polenwitze zu Diebstahldelikten Hochkonjunktur hatten (Ableitung = sich davonstehlen). Die französische Variante ist älter. Bereits im 18. Jahrhundert unterstellte man den Franzosen, dass sie Feste ohne Abschiedsworte verließen.

Sich aus dem Staub machen

Das heimliche Weggehen wird nicht nur in Deutschland den Bewohnern anderer Länder zugeschrieben. Der französische Abgang findet sich zum Beispiel auch im Englischen mit »to take French leave« und im Spanischen mit »despedirse a la francesa«. In Polen bedient man sich beim polnischen Abgang wiederum der Engländer mit »wyjść po angielsku« genauso wie auch in Frankreich mit »filer à l’anglaise«.

Da stellt sich uns doch die Frage, in welchem Land die Deutschen für den unhöflichen Abgang herangezogen werden.

Deutsch mit englischem Background

Scheinanglizismen_RotkelIn der deutschen Sprache gibt es eine Vielzahl von Begriffen, die aus englischen Wörtern gebildet wurden, aber im Englischen so nicht verstanden oder verwendet werden. Zum Klassiker ist das deutsche Handy, das englische mobile oder cellphone, geworden.

Die Liste solcher Scheinanglizismen oder -amerikanismen ist lang: Das deutsche Peeling ist das englische body scrub, der Beamer der video projector, das Fitnessstudio das fitness centre oder die gym. In England schaut sich auch niemand eine Casting Show, sondern eine talent show an.

Wer hierzulande ein öffentliches Ereignis auf einer Großleinwand im Freien sehen will, geht zum Public Viewing, in englischsprachigen Ländern zum public screening. Gerade dieser Begriff ist tückisch, denn Public Viewing gibt es auch im amerikanischen Englisch und bezeichnet die öffentliche Aufbahrung eines Toten.

EU-Englisch

Scheinanglizismen sind kein deutsches Phänomen. Etwa 40.000 Menschen aus 28 europäischen Mitgliedsstaaten arbeiten in den EU-Institutionen und nutzen in offiziellen EU-Publikationen vermeintlich englische Begriffe, die im Englischen aber gar nicht existieren. Diese Entwicklung einer europäisierten, verformten Variante des Englischen wird auch als „EU-Speak“ bezeichnet.

Einige solcher englisch klingenden, aber falschen Wörter wurden in dem Dokument „Misused English Words and Expressions in EU Publications“ zusammengefasst. Die Auflistung zeigt die gängigsten Fehler auf und schlägt alternative und korrekte Bezeichnungen vor.

So existiert planification zum Beispiel im Englischen nicht, taucht in EU-Dokumenten aber regelmäßig auf. Die vorgeschlagene Alternative lautet planning. Auch die Krankenversicherung wird fälschlicherweise immer wieder als sickness insurance anstelle von health insurance benannt.

Woher kommt … der Name der Makkabi-Spiele?

Die zurzeit in Berlin stattfindenden 14. Europäischen Makkabi Spiele sind in aller Munde. Woher aber kommt der Name der größten jüdischen Sportveranstaltung?

Die Makkabiade ist ein Kofferwort aus den Begriffen Makkabi und Olympiade. Das hebräische Wort Makkabi geht zurück auf den Beinamen des jüdischen Volkshelden Judas Makkabäus, der im 2. Jahrhundert vor Chr. die Führung des nach ihm benannten jüdischen Aufstands gegen das Seleukidenreich übernahm. Unter Makkabäus wurde Jerusalem wieder befreit und der zweite Tempel 164 v. Chr. wiedereingeweiht, woran jedes Jahr mit dem Chanukkafest erinnert wird.

Die Makkabiade entstand im Zuge der Zionismusbewegung aus der jüdischen Sportbewegung „Makkabi“, die sich vor mehr als 100 Jahren von Berlin aus weltweit verbreitete und bis 1930 etwa 40.000 Mitglieder in 24 Ländern hatte. Die erste Welt-Makkabiade fand 1932 in Tel Aviv statt. Alle vier Jahre werden jeweils zwei Jahre nach der Makkabiade in Israel die Europäischen Makkabi Spiele veranstaltet – dieses Jahr erstmals in Deutschland.

Woher kommt … der Ausdruck „sich wie Bolle freuen“?

sich wie Bolle freuenDiese Redewendung geht laut Duden auf ein altes Berliner Volkslied zurück. Das genaue Lied nennt das Wörterbuch nicht, gemeint ist aber wohl „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“, ein Lied über einen unbeschwerten und vergnügten Berliner um 1900. Der typische Berliner Spitzname Bolle steht dabei für den Prototyp eines amüsierfreudigen Mannes.

In dem Lied unternimmt Bolle einen Ausflug nach Pankow und gerät in Schwierigkeiten: Unterwegs verliert er sein Kind im Gedränge, bekommt nichts zu essen und wird bei einer Schlägerei verletzt. Trotz des Ärgers endet fast jede Strophe mit den wiederkehrenden Zeilen „aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert“.

Die Verbindung zum bekannten Berliner Milchgroßhändler Carl Bolle, der seit Ende des 19. Jahrhunderts seine Milchprodukte in Pferdefuhrwerken, den sogenannten Bolle-Wagen, verkaufen ließ, könnte dem Duden zufolge erst später hinzugekommen sein.

Neben der kurzen Variante „sich wie Bolle freuen“ gibt es auch die längere Form „sich wie Bolle auf dem Milchwagen freuen“ – beides für sich vortrefflich amüsieren.