VERSTEHST DU JETZT BESSER, WAS ICH MEINE …?!?!?!

anabelle
In Zeiten von Emojis und Kurztextnachrichten tendieren wir immer mehr dazu, unsere Aussagen durch typografische Elemente unterstreichen zu wollen. Davon sind auch Autoren nicht ausgenommen. Doch wird der Einsatz von Stilelementen – denn dazu werden die folgenden Beispiele in einem Roman – durch übermäßigen Gebrauch bedeutungslos.

Gezielt verwendete Auslassungspunkte können suggerierend wirken … Stehen sie jedoch am Ende jedes zweiten Satzes, wirkt es, als wären sich ein Erzähler oder eine Figur ihrer Aussagen selbst nicht sicher. In einem Dialog kann die Kombination aus Frage- und Ausrufezeichen die Betonung eines Satzes unterstreichen. Doch ist es nicht viel spannender, diese mit Worten zu verdeutlichen?! In einem Roman kann das Schreiben in Großbuchstaben das Augenmerk des Lesers punktuell auf die WICHTIGKEIT oder Art und Weise einer Aussage hinweisen. IN EINEM FORT WIRKEN SIE JEDOCH ALBERN. Und wenn in einer Konversation ständig Ausrufezeichen am Satzende folgen, könnte man meinen, die handelnden Personen hätten einen leichten Hang zur Aggressivität! Das braucht kein Mensch! Geschweige denn ein Roman!

Lassen Sie lieber Worte sprechen. Dem Lesefluss tut es genau so gut wie der Atmosphäre: Stellen Sie sich der Herausforderung und bedienen Sie sich am großen Wortschatz unserer schönen Sprache. Lassen Sie Ihre Figuren nachdrücklich flüstern, stirnrunzelnd fragen, mit Misstrauen in der Stimme schreien oder auch mal schallend lachen. In den imaginären Ohren Ihrer Leser werden die gesprochenen Worte einen individuellen Ton annehmen. Und sollte dann doch einmal etwas ausgelassen oder angedeutet werden … eine Verwunderung unterstrichen – wirklich jetzt?! – oder ein besonders lautes Schreien UNERLÄSSLICH sein, fällt es Ihren Lesern auf. Und sie schmunzeln dabei, halten vor Spannung die Luft an oder erschrecken sich womöglich sogar.

Ist die Liebe zur typografischen Lautmalerei dann doch so unbändig groß, dass sie in der Lektüre vertieft werden will, empfehlen wir den Griff zu einem der vielen gelungenen Comics oder einem Roman von Walter Moers.

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