Ein Wort erobert die Welt

Herkunft Okay okay OK O.K.

Es gilt als das bekannteste Wort der Welt – und es war das erste, das auf dem Mond gesprochen wurde.

Okay, wie beginnen wir diesen Text? Mit einem Rätsel. Jeder kennt es, jeder sagt es. Es ist eines der meist verwendeten Wörter der Welt und war das erste gesprochene Wort auf dem Mond. Obwohl seine Bedeutung relativ gering erscheint, versteht es jede/r – überall. So kommt es bei unglaublich vielen Gelegenheiten zum Einsatz: Auf eine Frage oder Aussage hin kann es Zustimmung ausdrücken und sogar Begeisterung, doch genauso kann es Mittelmäßigkeit bedeuten, ohne dabei abwertend zu klingen. Außerdem kann man damit fragen oder um Einverständnis bitten. Es kann Reden einleiten, Pausen überbrücken, Themenwechsel herbeiführen oder selbige ganz beenden. Meistens ist es dabei ein Adjektiv oder Adverb, manchmal kommt es aber auch als Nomen vor.

Na, schon drauf gekommen?

Die Lösung lautet: »okay«. Dieses Zauberwörtchen trat angeblich das erste Mal vor rund 175 Jahren in den USA in Erscheinung. Während in manchen Kreisen davon ausgegangen wird, »okeh« sei ursprünglich ein indianisches Wort mit der Bedeutung »es ist so« gewesen, gibt es noch eine andere Variante, die den Ursprung des Wortes belegen will: So habe sich unter Zeitungsleuten in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Trend zu raffinierten Abkürzungen entwickelt, die mit Vorliebe falsch geschrieben wurden. Zur Belustigung der Leserinnen und Leser sei so im Jahr 1839 das erste Mal das Wort »o. k.« in der Boston Morning Post in einem Artikel von Charles Gordon Green erschienen. »O. k.« für »oll korrekt« statt »all correct« war zwar ein flacher Witz, soll aber weitreichende Folgen gehabt haben: Im darauffolgenden Jahr nutzte der Präsidentschaftskandidat Martin Van Buren, der von seinen Anhängern und Anhängerinnen auch »Old Kinderhook« genannt wurde, die Abkürzung für seine Zwecke. »OK« wurde zum Emblem seiner Propaganda.

»Ach so? Hm. Aha, okay.«

Bei dieser Interpretation wird davon ausgegangen, dass sich ein zunächst nur geschriebenes Wort in der mündlichen Sprache durchgesetzt hat. Historisch gesehen ergeben solche Annahmen allerdings nicht besonders viel Sinn, da es so gut wie immer andersherum funktioniert: Die gesprochene Sprache geht der schriftlichen voraus – manchmal sogar um Jahrhunderte. Umso fragwürdiger ist es deshalb, dass sich aufgrund eines einzigen Zeitungsartikels ein Wort derart prominent entwickeln konnte. Müsste »okay« nicht also zuerst in der gesprochenen Sprache aufgetaucht sein? Mit Blick auf die USA des frühen 19. Jahrhunderts begibt man sich in die Geschichte der Sklaverei. Zwischen 1499 und 1820 wurden Menschen aus Nordwestafrika über den Ozean nach Amerika deportiert und gezwungen, als Sklavinnen und Sklaven zu arbeiten. Die Lingua franca, also die von ihnen untereinander gesprochene Verkehrssprache, war Wolof. Sie zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass sie in der Kommunikation von Interjektionen geprägt ist. Das sind Wörter, die in Gesprächen zur Verdeutlichung von Empfindung und Anteilnahme eingeworfen werden. Im Deutschen zum Beispiel können »aha«, »ach so« oder auch »hm« auf diese Art gebraucht werden und von Gesten wie Kopfschütteln oder Nicken begleitet werden. Dieses sprachliche Phänomen zur Bestätigung der Gesprächspartnerin oder des Gesprächspartners wird in der Linguistik auch als Backchanneling bezeichnet. So macht man während der Unterhaltung deutlich, dass man der sprechenden Person aufmerksam zuhört, ohne sie dabei zu unterbrechen.

»Okay« ist ein Wort-Import

In der Sprache der Versklavten in den Vereinigten Staaten war einer der häufigsten auf diese Weise verwendeten Begriffe das Wort »waw-kay«. Wenn der Plantagenbesitzer seine Befehle gab und den Menschen auf dem Feld mit der Peitsche drohte, wurde ihm ein »waw-kay« entgegengebracht. So kann man davon ausgehen, wie auch schon der Linguist Paul Werth formulierte, dass »okay« in seiner mündlichen Ursprungsform mit dem Beginn der Sklaverei in den USA Fuß fasste – aber natürlich nicht in der Sprache der Weißen und somit auch erst recht nicht in schriftlicher Form. Vielmehr ist anzunehmen, dass das Wort ganz allmählich in die gesprochene Sprache der Abkömmlinge Christoph Kolumbus’ übergegangen ist, sodass sein sklavischer Ursprung verschleiert wurde. So war »waw-kay« beziehungsweise »okay« wohl schon Teil der gesprochenen Sprache, als es vom Abkürzungstrend ergriffen wurde. Und mit den Buchstaben »o« und »k« fand es so schließlich auch seinen Weg in die Zeitungen.

Rassismus ist nicht okay!

Dass die witzige Geschichte über die Boston Morning Post hinfällig ist, beweist auch eine weitere wissenschaftliche Tatsache: Das Backchanneling-Phänomen zeigt sich nämlich weitaus häufiger im amerikanischen Englisch als im britischen und tritt auch öfter im südafrikanischen Afrikaans auf als im europäischen Niederländisch. So ist davon auszugehen, dass mit der Deportation von Sklavinnen und Sklaven nach Amerika aus Versehen auch ein Teil ihrer Sprache mit exportiert wurde. Wie kommt es aber, dass sich trotz all dieser Belege gerade die wenig plausible Annahme verbreiten konnte, das Wort »okay« sei während einer Zeitungsklamauk-Reihe um Abkürzungswitze entstanden? Mit dem Einzug des Wortes »okay« nicht nur in die englische Sprache stieg das Interesse an seinem Ursprung. Allerdings, so auch Paul Werth, hat man sich in der Forschung natürlich nur mit Quellen aus weißer Hand beschäftigt, sodass jede Dokumentation, die behauptete, »okay« stamme nicht von einem weißen (vermutlich heterosexuellen) Amerikaner, unbeachtet blieb. Dass ein vermeintlich schwarzes Wort die Sprache der Weißen erobert hatte, wollte sich niemand eingestehen. Zu schön war die Geschichte über die Boston Morning Post und ihre ach so einfallsreichen Wortspielereien.

Was das Präsens alles kann

Was das Präsens alles kann

Flexible Zeitform: Mit dem Präsens lässt sich auch über Zukünftiges und Vergangenes sprechen.

»Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.« So lautet eine bekannte Redensart, die uns daran erinnern soll, nicht ständig alles vor uns herzuschieben. Wenn wir sagen wollen, was wir schon erledigt haben, was wir jetzt im Moment gerade tun und was wir noch alles vorhaben, gibt es im Deutschen verschiedene Möglichkeiten. Die sechs verschiedenen Zeitformen, auch grammatische Tempora genannt, erlauben es uns sprachlich gesehen, Aktivitäten und Handlungen zeitlich einzuordnen. Vergangenheitsformen wie das Präteritum, Perfekt oder Plusquamperfekt benutzen wir für bereits Vergangenes: »Ich rief meine Oma an.«, »Ich habe den Biomüll runtergebracht.« oder »Das hatte ich letztens schon erledigt.« Um Zukünftiges auszudrücken, stehen die Tempusformen Futur I und II zur Verfügung: »Ich werde morgen weitermachen.« oder »Nächste Woche werde ich alles erledigt haben.« Und beim Präsens liegt die Verwendungsform scheinbar auf der Hand: »Ich telefoniere.«

Szenisch, episch, historisch

Aber ist das Ganze wirklich so simpel? Dass das Präsens gar nicht so unflexibel ist, wie die einfache Bezeichnung als Gegenwartstempus ihm unterstellt, kann eine beispielhafte Unterhaltung veranschaulichen: »Gestern telefoniere ich mit meiner Oma, da erzählt sie mir glatt, sie besucht mich bald!« – »Wie schön, geh doch mit ihr ins Museum.« – »Aber das schließt doch immer schon so früh am Abend.«

Hier kommt auf einmal überall Präsens vor. Dabei geht es gar nicht um gegenwärtig stattfindende Dinge, sondern zeitlich gesehen um einiges mehr. Zum Beispiel wird gleich im ersten Satz das Präsens benutzt, um das vergangene Telefonat wiederzugeben. Obwohl das Telefongespräch mit der Oma schon vorbei ist, was wir durch das Wörtchen »gestern« bereits wissen, kann hier das Präsens benutzt werden. In diesem Fall spricht man auch vom szenischen Präsens, das dazu gebraucht wird, die Erzählung für die zuhörende Person unmittelbarer, lebhafter und damit vielleicht auch ein bisschen interessanter zu machen. Statt des szenischen Präsens hätte hier auch eine Tempusform, die die Vergangenheit anzeigt, verwendet werden können (also vorzugsweise Perfekt oder Präteritum: »Gestern telefonierte ich mit meiner Oma.« bzw. »Gestern habe ich mit meiner Oma telefoniert.«).

Verwandt mit dem szenischen ist auch das epische Präsens, das von Autorinnen und Autoren in Romanen oder fiktiven Erzählungen gern verwendet wird, obwohl der jeweilige Text eigentlich durchgehend im Präteritum geschrieben ist. Bei der Verwendung vom epischen Präsens gibt es einen plötzlichen Bruch im Tempus: »Sie betrat das Museum und pfiff leise vor sich hin, während sie die Gemälde betrachtete. Plötzlich fängt eines der Bilder Feuer.« Mit dem abrupten Tempuswechsel wird Spannung erzeugt, und das Ereignis rückt für die Lesenden direkt in unmittelbare Nähe. Sowohl das epische als auch das szenische Präsens sind Formen des historischen Präsens. Dieses findet man in Lehrbüchern, aber vor allem auch in Schlagzeilen vor: »Im Jahre 1907 öffnet das Pergamonmuseum zum ersten Mal.« Auch dieser Satz klingt für uns völlig akzeptabel. Der Eröffnungstermin liegt hier zwar schon über hundert Jahre zurück, aber trotzdem kann für die historische Sensation problemlos das Präsens verwendet werden.

Das Präsens ist ein Alleskönner

Aber kommen wir noch mal zurück zu unserem Telefonat mit Oma. »Sie besucht mich bald« ist ein Ereignis in der Zukunft, dies wird vor allem durch das Temporaladverb »bald« deutlich. Ausdrücke wie zum Beispiel »morgen«, »in einer Stunde« oder »nächstes Jahr« (bzw. »gestern«, »vor zwei Stunden« oder »letztes Jahr«) erleichtern es uns, Handlungen, die im Präsens geäußert werden, der Zukunft (bzw. der Vergangenheit) zuzuordnen. Anstelle der Präsensform könnten hier dann auch einfach Futur (bzw. Präteritum oder Perfekt) angewendet werden: »Sie wird mich bald besuchen.« Die Bedeutung bleibt dieselbe. Man kann schließlich festhalten: Die simple Annahme, das Präsens werde ausnahmslos für gerade Stattfindendes benutzt, müssen wir als falsch zurückweisen. Es mischt mit, egal, ob eine Handlung in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegt, und beschränkt sich nicht auf den Gebrauch für Gegenwärtiges. In unserem täglichen Sprachgebrauch fällt uns die Vielfältigkeit dieser einfachen Zeitform kaum auf.

Was du heute kannst besorgen …

Was sucht das Präsens nun aber im letzten Satz unserer fiktiven Unterhaltung? In »Aber das Museum schließt doch immer schon so früh am Abend« bezeichnet das Präsens weder eine Handlung in der momentanen Gegenwart, in der Zukunft noch eine in der Vergangenheit. Gemeint ist vielmehr ein genereller, immer wiederkehrender Vorgang. Das Museum schließt nicht jetzt gerade früh am Abend, sondern jeden Tag aufs Neue. Das Präsens drückt hier in gewisser Weise Zeitlosigkeit aus und gibt Sätzen eine allgemeingültige Bedeutung, sodass man die Präsensform auch gern in Sprichwörtern verwendet. Wenn wir uns also an den allerersten Satz dieses Textes zurückerinnern, wird klar, warum wir auch hier Präsens verwenden: »Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.« Dieser gute Vorsatz hat einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit – und dennoch halten wir uns nicht daran. Vielleicht auch aus gutem Grund. So können wir uns jeden Tag aufs Neue vornehmen, der Prokrastination den Kampf anzusagen.

Von Äpfeln und Birnen

Apfel und Birne gehören zusammen wie »wie« und »als«

Als wie der Apfel?

In unsagbar vielen Situationen vergleichen wir, und selten geht es dabei einfach um besser oder schlechter: Wenn das Wetter von heute vielleicht wärmer war als das von gestern, wenn wir Erdbeereis lieber mögen als Vanilleeis oder wir die Texte von Goethe gegenüber denen von J. K. Rowling bevorzugen. In der Sprachwissenschaft nennt man diesen Vorgang Komparation. Um Dinge miteinander zu vergleichen, haben sich im Deutschen zwei Wörter entwickelt, die uns dabei sprachlich auf die Sprünge helfen. Mit ihrer Hilfe können wir sogar Äpfel mit Birnen vergleichen! Die Rede ist von »wie« und »als«. Sie werden auch Vergleichspartikeln genannt. Trotzdem werden die beiden Wörter manchmal durcheinandergebracht, verwechselt oder plötzlich gleichzeitig gebraucht. Aber ist das trotzdem noch korrekt? Um diese Frage zu beantworten, kann es helfen, »wie« und »als« und ihre Verwendungsweisen mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gleichheit versus Unterschiedlichkeit

Das Wörtchen »wie« kommt bei Aussagen über Gleichheit zum Einsatz: »Die Birne ist rot wie der Apfel.« In der Sprachwissenschaft nennt man diese Vergleichsform auch Positiv, das Adjektiv bleibt dabei unverändert. Mit »wie« geht auch oft das Wörtchen »so« oder »genauso« einher: »Der Apfel schmeckt mir genauso gut wie die Birne.« Hat man alle Ähnlichkeiten zwischen Apfel und Birne festgestellt, kann man sich der zweiten Vergleichspartikel zuwenden: »Als« wird verwendet, wenn man die Unterschiedlichkeit zwischen Dingen ausdrücken will. »Die Birne ist saftiger als der Apfel.« Schaut man sich das Adjektiv bei dieser Art des Vergleichs mit »als«, auch Komparativ genannt, genauer an, fällt auf, dass ihm zwei Buchstaben angehängt wurden. Bei »-er« handelt es sich um die Steigerungsflexion von Adjektiven, also um die Endsilbe, die Adjektive zu Komparativen macht und Unterschiedlichkeit anzeigt. Birnen können außerdem »weicher«, »kleiner«, »unförmiger«, »süßer« usw. sein als Äpfel.
Das klingt so weit ganz einfach, betrachten wir aber folgende Sätze: »Der Birnensaft ist lauwarmer als der Apfelsaft.« oder »Der Apfelbaum ist toter als der Birnbaum.« Die Wörter »lauwarm« und »tot« lassen sich ganz offensichtlich nicht steigern. Adjektive dieser Art werden auch Absolutadjektive genannt. Diese drücken schon ohne irgendwelche Steigerungssilben den höchsten oder auch niedrigsten Grad der jeweiligen Eigenschaft aus. Weitere Beispiele hierfür sind »leer«, »voll«, »schwanger«, »dreieckig« und »optimal«. Um herauszufinden, welche Adjektive zu den Absolutadjektiven gehören, kann man versuchen, sie zu graduieren. Dabei lässt sich feststellen: Ein bisschen leer zu sein ist genauso unmöglich, wie ein wenig dreieckig oder ein bisschen schwanger. Adjektive, die wie die Absolutadjektive nicht steiger- oder graduierbar sind, sind solche, die aus anderen zusammengesetzt sind: Jemand kann nicht »bärenstärker« und auch nicht »hundsgemeiner« sein als jemand anders. Für Verwirrung sorgen dabei jedoch entlehnte Farbwörter wie »lila« oder »rosa«, die ebenfalls nicht steigerbar sind – »rot«, »blau« und »grün« währenddessen aber schon.

»wie« oder »als« – nicht beide zusammen

Aber zurück zu den Äpfeln und Birnen beziehungsweise zu »wie« und »als«: Beide Wörter kommen nämlich bekanntlich nicht nur bei Vergleichen zum Einsatz, sondern können auch andere Funktionen erfüllen. Neben der Tatsache, dass »wie« natürlich ein Fragewort sein kann, wird es auch gern für Metaphern oder rhetorische Figuren gebraucht, die nur entfernt etwas mit Vergleichen zu tun haben: »Wie geht es ihm?» – »Er schläft wie ein Murmeltier.«
»Als« währenddessen kann auch Nebensätze einleiten und Gleichzeitigkeit ausdrücken: »Das Telefon klingelte, als sie gerade in ihr Brötchen beißen wollte.«
Wenn wir nun aber bei den Vergleichen bleiben, fällt auf, dass manchmal »wie« und »als« sogar direkt hintereinanderstehen. Vor allem im Süddeutschen ist das Phänomen verbreitet, sich nicht für eine der beiden Formen zu entscheiden, sodass plötzlich einfach beide gleichzeitig vorkommen: »Der Apfel schmeckt mir besser als wie die Birne.«
Leider ganz falsch. Standardsprachlich darf entweder »wie« oder »als« vorkommen, je nachdem, ob man Gleichheit oder Unterschied ausdrücken will, aber nie beide auf einmal. Um die beiden Partikeln »wie« und »als« auseinanderzuhalten, hilft eine Faustregel: Sind die zu vergleichenden Dinge verschieden, benutzt man »als«, liegt eine Gemeinsamkeit vor, dann gebraucht man »wie«. Eigentlich gar nicht so schwierig.
Die Ursache dafür, dass die beiden Vergleichspartikeln trotzdem so gern verwechselt werden, besteht darin, wie sie sich seit dem Frühneuhochdeutschen entwickelt haben. Der Komparativ, der heute mit »als« gebildet wird, wurde früher durch »denn« oder »dann« ausgedrückt, während man für Gleichheit die Wörter »wie«, »als« und »als ob/wenn« verwendete. Das von uns heute noch gebrauchte Wort »als« hatte im Mittelhochdeutschen also noch die umgekehrte Bedeutung, für die wir heute »wie« benutzen. Wenn Goethe in Faust I deshalb meint »Da steh’ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!«, können wir ihm nicht unterstellen, die Komparationsregel nicht beachtet zu haben. Im Gegensatz zu heute war auch die Mischverwendung seinerzeit noch völlig legitim. Auf die gleichzeitige Verwendung von »als« und »wie« sollten die jungen Goethes unter uns heute aber lieber verzichten.

Nachgeforscht statt nachgezählt

lieber nachforschen

Wie viele sind’s noch?

Wie viele Wörter umfasst eigentlich die deutsche Sprache? Man könnte sich einmal daranmachen, alle zu zählen. Das stellt sich aber schon nach kürzester Zeit als eine wahre Sisyphusarbeit heraus, denn was ist ausschlaggebend dafür, welche Wörter zu zählen sind? Nimmt man zum Beispiel das Wort »zählen« und trifft auf das Wort »zählbar« – sollten dann beide in die Liste aufgenommen werden? Darüber sind sich selbst Fachleute nicht einig, weshalb beim Zählen des gegenwärtigen deutschen Wortschatzes auch jede Menge unterschiedliche Zahlen zustande kommen.
Ein Blick ins Wörterbuch könnte helfen – aber welches nimmt man da am besten? Der aktuelle Rechtschreib-Duden (Band 1) beispielsweise enthält nur in sehr geringem Umfang fachspezifische Wörter. Fachbegriffe aus der Chemie oder der Informatik wird man hier kaum finden – laut Winter (1986, deutscher Sprachwissenschaftler) findet man aber schon allein in der chemischen Fachsprache 20 Millionen Benennungen. Aber nicht nur Fachchinesisch (bzw. -deutsch) kommt in Standardwörterbüchern so gut wie gar nicht vor. Auch Wortzusammensetzungen, Komposita genannt, Ableitungen und Wortneubildungen fehlen. Viele Wortbildungen sind außerdem situationsabhängig und entstehen einmalig und spontan. Zum Beispiel erzählen wir von einem »klassenfahrtsmäßigen Höllenausflug«, wenn jemand uns nach dem letzten Familienurlaub fragt. Solche Ausdrücke findet man in keinem Wörterbuch.

Der Wortschatz im Wandel

Hinzu kommt aber auch, dass unsere Sprache einem stetigen Wandel unterliegt und Wörter, die man heute noch verwendet, vielleicht bald durch neue abgelöst und nicht mehr gebraucht werden. Das liegt zum Beispiel daran, dass neue Objekte neue Bezeichnungen brauchen, oder andersherum alte Gegenstände nicht mehr verwendet werden und deshalb auch die Wörter für sie entfallen. »Felleisen« zum Beispiel ist ein Wort, das heute kaum noch auftaucht. Ursprünglich war damit der Lederrucksack gemeint, den Handwerksgesellen mit sich trugen. Abgelöst durch oft aus Plastik gefertigte (Schul-)Rucksäcke, Ranzen oder Tornister ist das Felleisen heute kaum noch in Gebrauch, weder als Gegenstand noch als Begriff.
Genauso finden Wörter aus anderen Sprachen Eingang in den deutschen Wortschatz. Beispiele hierfür sind »Portemonnaie« aus dem Französischen oder etwa technische Begriffe aus dem Englischen wie »Internet«, »DVD« oder »Handy«. (Kaum jemand würde heute im »weltweiten Verbund aus Rechnernetzwerken« nach »Datenträgern mit digitalen audiovisuellen Sequenzen« oder nach einem neuen »nicht ortsgebundenen Telefon im Taschenformat« suchen.) Aufgrund all dieser Faktoren, die auf unseren Wortschatz einwirken, kann kein Wörterbuch ihn je vollständig erfassen. Zwar kann man die in Wörterbüchern vorhandenen Wörter zählen, der wahre Umfang des deutschen Wortschatzes kann aber nur geschätzt werden.

Wie viele Wörter braucht man überhaupt?

Um nun aber doch einmal eine Zahl zu nennen, sei auf den »Ersten Bericht zum Zustand der deutschen Sprache« verwiesen: Dieser erschien 2014 und schätzt den Wortschatz auf 5.3000.000 Wörter. Aber braucht man denn so viele Wörter überhaupt?
Um die deutsche Sprache zu verstehen, ist es wichtig, zu wissen, welche Wörter im Wortschatz überhaupt besonders häufig sind. Um zum Beispiel diesen Text verstehen zu können, sollte man auf jeden Fall den Begriff »Wortschatz« kennen. Allgemein sind es aber kaum Nomen, die in der deutschen Sprache zu den meistgebrauchten zählen. Die häufigsten zehn sind (nach Stand von 2001) folgende: »der«, »die«, »und«, »in«, »den«, »von«, »zu«, »das«, »mit« und »sich«. Die Plätze 11 bis 50 klingen dabei ähnlich monoton, denn es handelt sich vor allem um einsilbige Artikel, Präpositionen und Partikel. Bei weiteren wissenschaftlichen Betrachtungen des Wortschatzes ist man währenddessen zu einem interessanten Ergebnis gekommen: In einer Studie zur Erforschung des deutschen Grundwortschatzes hat man festgestellt, dass man nur etwa 1.285 Wörter kennen muss, um 85 Prozent jedes beliebigen Textes zu verstehen. Natürlich sind hier Fachtexte ausgenommen, aber dennoch geben diese Erkenntnisse hilfreiche Anhaltspunkte darüber, welche Teile des Wortschatzes besonders relevant sind. So haben vor allem Deutschlehrende, aber auch -lernende den Vorteil, sich der Sprache gezielter zu nähern. Und fünf Millionen Wörter könnte sich ja eh keiner merken.

Im Saustall der Sprache

Saustall

Ferkeleien hinterm Zaun

Abseits der Standardsprache finden sich viele interessante Phänomene, die wir oft nicht einmal bemerken. Schimpfen zum Beispiel ist nicht nur ein verhaltensbiologischer Vorgang, sondern auch ein sprachlicher: Um seinem Unmut Luft zu machen, greift man spontan auf Äußerungen zurück, die in der Situation des Ärgers eine neue Bedeutung bekommen. Der in manchen Fällen sogar schmerzlindernd wirkende Aggressionsabbau durch Schimpfwörter mag auch ein Grund sein, warum Menschen sich hin und wieder zu gegenseitigen Beleidigungen hinreißen lassen. Was genau ist aber die Definition eines Schimpfworts?
In der Tat gibt es in der Forschung ein Gebiet, das sich mit genau dieser Frage beschäftigt: die Malediktologie. Mit Methoden der Linguistik, Soziologie und Psychologie wird versucht, sich dem Phänomen des Schimpfens zu nähern.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Tabubruch, also verbale Grenzüberschreitungen und Entgleisungen. Was standardsprachlichen Konventionen von Höflichkeit und Benehmen widerspricht, findet bei Wutausbrüchen bevorzugt Verwendung. Nicht nur im Deutschen besonders verbreitet und beliebt sind dabei Fäkalausdrücke und Begriffe, die mit Exkrementen, Unreinlichkeit und Ekel oder mit Sexualität zu tun haben. Ganz oben in der Beliebtheitsliste der Beschimpfungen findet man aber auch Tiernamen.

Hundsgemeine Beleidigungen

Und die Artenvielfalt dabei ist riesig: Sie reicht von Säugetieren über Vögel bis zu Insekten. Die Kombinationen, meistens mit Adjektiven oder Verben, sind dabei selbsterklärend: So wird zum Beispiel der Hund, der Herrchen und Frauchen eigentlich doch immer treu ergeben ist, hundsgemein oder heimtückisch (und manchmal verreckt er sogar). Das Schwein, von dessen hoher Intelligenz wir eigentlich wissen, wird nach Bedarf dreckig, arm oder fett – ähnlich wie die Kuh, die aber doch mit Vorliebe doof oder blöd ist. Die Sau im Besonderen ist faul, Ziegen meckern, Esel sind störrisch und trotzig. Besonders artenreich im Vokabular ist auch die Gattung der Vögel: Schnapsdrosseln schauen zu tief in die Gläser, Schmutzfinken stapfen zu tief in den Matsch, Rabeneltern kümmern sich nicht um ihre Sprösslinge, (Aas-)Geier sind die Inkarnation von Gier und Geiz, Gans, Schnepfe und Pute gelten als dumm, Hühner dagegen neigen zu Panik und erheblicher Lautstärke, Gockel sind eitel vor Stolz, Enten sind lahm … Die Liste ließe sich noch ewig fortsetzen. Warum aber greift man bei der Schimpfwörterwahl so oft auf das Tierreich zurück?

Beschimpfung versus Liebesbeweis

Hund, Kuh, Schwein und Huhn werden bei solch spontanen Ausbrüchen gern verunglimpft. Und das, obwohl wie gesagt manche von ihnen gar nicht so doof sind, wie wir als Menschen annehmen. So reduzieren wir sie auf ihre vermeintlich verminderte Geistesfähigkeit und ihre dem Menschen oftmals unverständlichen Verhaltensweisen. Die in unseren Augen wilde und unberechenbare Trieb- und Tierhaftigkeit wird zum Gegensatz von (möchtegern-)friedfertiger Menschlichkeit. Jemandem das Menschsein abzusprechen, ist schon seit Jahrhunderten eine beliebte Art zu beleidigen.
Was ist aber mit »Bärchen« oder »Hasi«? Hier finden Tiernamen plötzlich Verwendung als Kosewörter und haben eine liebevolle bis zärtliche Bedeutung. Sie drücken Intimität und Gefühl zwischen Liebenden aus und würden wohl keinesfalls als Beleidigungen oder Schimpfwörter aufgefasst werden. Hier geschieht der Rückgriff auf die Tierwelt also genau umgekehrt, und aus »aufgeblasenem Gockel« oder »dreckiger Ratte« können blitzschnell »Spatz« und »süße Maus« werden. Damit, dass wir diesen Tieren eine gleichberechtigte Intelligenz zuschreiben, hat das allerdings wenig zu tun.

Hauptsache nicht aggressiv?

Da die Malediktologie eine noch recht junge Wissenschaft ist, kam man diesem plötzlich umgekehrten Phänomen auch bisher nicht auf die Spur. So scheint es ziemlich situationsabhängig zu sein, wann ein Tiername als Schimpfwort und wann als harmloses Kosewort gebraucht wird. Ebenso spielen Körpersprache wie Gestik und Mimik oder auch der Tonfall eine Rolle. Nach der Definition von Reinhold Aman, Philologe und Herausgeber der Zeitschrift »Maledicta«, ist jedes Wort ein Schimpfwort, sobald es aggressiv verwendet wird. Dementsprechend könnte man also ein »Schwein«, einen »Pinguin« oder eine »Qualle« genauso im Schlafzimmer finden wie in dem Auto, das einem gerade die Vorfahrt genommen hat. Rechtlich gesehen sollte man sich jedoch nicht auf diese Definition verlassen, vor allem nicht gegenüber Anzugtragenden. Eine Polizistin, die mit dem Strafzettel fürs Falschparken wedelt, freundlich mit den Worten »du Sau« zu grüßen, könnte ziemlich teuer werden.

Op Platt – bewahrt oder vergessen?

Plattdeutsch

Nordisch by Nature

Im Jahr 1992 beschloss der Europarat die »Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen«, um die Kultur und Sprache von Minderheiten zukünftig europaweit zu schützen. Für das zwei Jahre zuvor wiedervereinigte Deutschland waren dies die Minderheiten der Sorben, Sinti und Roma sowie Dänen und Friesen samt deren Sprachen. Bis zur Ratifizierung der Charta im Jahr 1998 verpflichteten sich die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, an der Einhaltung und Umsetzung der Vorgaben zur Förderung von Minderheitensprachen im Inneren Deutschlands mitzuwirken. Die Volksgruppe der Friesen repräsentierte mit ihren Dialekten Nord- und Saterfriesisch nur einen kleinen Teil einer flächendeckenden Regionalsprache: dem Niederdeutschen.

Niederdeutsch vom platten Land

Auch als Plattdeutsch bezeichnet, ist Niederdeutsch eine bis heute weitverbreitete Mundart, die eher im ländlichen Raum als Alltagssprache erhalten blieb und häufig von einer demografisch gesehen älteren Generation gesprochen wird. Historisch-sprachwissenschaftlich betrachtet, gibt Niederdeutsch selbst seine Herkunft preis: Die Silbe »nieder« nimmt auf die nördlichen Gebiete des deutschen Sprachraums Bezug und symbolisiert somit das niedere (mittelhochdeutsch für flach oder tief) bzw. »platte« Land. Die Zweite Lautverschiebung innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie ging im Gegensatz zum zeitgenössischen Hochdeutsch am Niederdeutsch vorbei. Das Gebiet der niederdeutschen Sprache und ihrer Dialekte erstreckt sich heutzutage von den Niederlanden bis nach Polen und von Schleswig-Holstein über Südniedersachen bis zur Eifel.

Eine historische Mundart

Über Jahrhunderte zunächst als Mundart gepflegt, verdrängte das vereinheitlichte Schulwesen sowie das reformierte Deutsch seit dem 19. Jahrhundert nach und nach das Plattdeutsch als Muttersprache vieler Einheimischer. Mit ihrem Umzug in eine neue Stadt oder Region oder auf dem Ausbildungsweg verloren einige Muttersprachler ihr Sprachwissen. Da Plattdeutsch der Ruf anhaftete, nur vom ländlichen, bäuerlichen Volk gesprochen zu werden, legten intellektuelle bis elitäre Bildungsinstitutionen keinen Wert auf den Erhalt und die Pflege der langsam aussterbenden Sprache. Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts gab es einen gesellschaftlichen Umschwung: Durch die Förderung der Länder und des Bundes hat sich die Wahrnehmung von Plattdeutsch gewandelt.

Comeback des Plattdeutschen

Die Regionalsprache Niederdeutsch erlebt im 21. Jahrhundert eine bildungspolitische Blütezeit. Sie gilt nun als eine Besonderheit und ein aktiv zu erhaltender Kulturschatz. Immer mehr Kindergärten und Grundschulen in Norddeutschland weisen sich als plattdeutsche Einrichtungen aus, in denen die regionalen Dialekte der Vorfahren gesprochen und unterrichtet werden.
Woher kommt diese Besinnung auf die lokale Kultur und Geschichte? Verantwortlich für den Wiederaufstieg des Niederdeutschen könnte die Globalisierung sein. Die politische, ökonomische, kulturelle und schließlich digitale Ausweitung der Lebenswelt bewirkt nicht nur bei der europäischen Bevölkerung eine Hinwendung zum Lokalen und Regionalen. Dieser Rückzug ins Vertraute resultiert schließlich in der Institutionalisierung und Disziplinierung von Dialekten, die nicht mehr ausschließlich Alteingesessene sowie der örtliche Heimatverein zu bewahren versuchen, sondern ebenfalls Professoren, Lehrer und Kultusminister.

Niederdeutsch in der Bildungspolitik

Durch bildungspolitische Maßnahmen soll Plattdeutsch der jüngeren Generation als Zweitsprache wieder nähergebracht werden – in Form von Frühförderung bis hin zu Abitur- und Studienfächern. Die Beliebtheit des Faches an Hamburger Schulen zeigt, dass Plattdeutsch im Trend liegt: Aufgrund seiner sprachhistorischen Entwicklung ähnelt es dem Englischen und Niederländischen und erscheint vielen durch den simpleren grammatikalischen Aufbau als einfach zu erlernende (Fremd-)Sprache. Jedoch wirft das Unterrichten der niederdeutschen Dialekte eine Frage auf: Ist es möglich, eine über Jahrhunderte gesprochene Mundart nicht nur einheitlich zu verschriftlichen, sondern auch zu prüfen? Schließlich entstand durch die regionale Vielfalt ein Kaleidoskop verschiedener Redensarten sowie unterschiedlichster Intonationen von Wörtern. So ist zu beachten, dass eine Mundart durch Kanonisierung und Disziplinierung zwar überlebt und weiterbesteht, jedoch deren regionale Eigentümlichkeit in den Hintergrund tritt.

Eine Zukunft für Plattdeutsch?

Nichtsdestotrotz bleibt die Sprache zeitgemäß: Mathias Brodkorb, Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, plant, Plattdeutsch als Wahlsprache und sogar Abiturfach an weiterführenden Schulen einzuführen; Hamburger Klinikpersonal nimmt Plattdeutschunterricht, damit sich die älteren Patienten wohler führen; das über 100 Jahre alte Hamburger Ohnsorg-Theater führt moderne Stücke wie »Soul Kitchen« (http://www.ohnsorg.de/spielzeit/stuecke/stueck/soul-kitchen/) von Fatih Akin in Hamburger Platt auf; das »Zentrum für Niederdeutsch in Holstein« (ZFN) (http://www.niederdeutschzentrum.de/) veranstaltet seit 2011 den Bandwettbewerb »Plattsounds« (http://www.plattsounds.de/); der erste Harry-Potter-Band ist als »Harry Potter un de Wunnersteen« in plattdeutscher Sprache erhältlich. Diese Beispiele sind nur einige der Erfolgsgeschichten, die auf eine positive Zukunft für den Erhalt des niederdeutschen Sprachschatzes hindeuten. Die Vorhaben, die im Jahr 1992 auf Regierungsebene angestoßen wurden, konnten in den vergangenen 24 Jahren in großen Teilen auf lokaler Ebene umgesetzt werden. Ihre weitere Zukunft sicherte im November 2014 die Konferenz »Charta-Sprachen in Deutschland – Ein Thema für alle!«. Damit hat sich eine oft vorurteilsbehaftete Mundart zu einer beliebten Zweitsprache der nord-west-ostdeutschen Bevölkerung gewandelt.

Links:
http://www.minderheitensekretariat.de/schwerpunkte/sprachenkonferenz-2014/
http://www.ndr.de/wellenord/sendungen/plattdeutsch/Neue-Leitung-des-Plattdeutsch-Zentrum-Holstein,boernsen106.html
http://www.abendblatt.de/nachrichten/article207460471/Der-Plattmacher.html
http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article153421672/Fatih-Akins-Soul-Kitchen-als-Buehnenstueck-op-platt.html
http://www.sueddeutsche.de/bildung/snacken-und-kloenen-fremde-heimatsprache-1.2882943-2
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/plattdeutsch-im-abitur-diese-andere-kuriosen-abi-faecher-gibt-es-a-1086923.html
http://www.welt.de/regionales/hamburg/article150577097/Plattdeutsch-macht-Peinliches-weniger-peinlich.html
http://www.bundesraat-nd.de/index.php?option=com_content&view=article&id=87%3Achartaallgemein&catid=58%3Asprachenchartaallgemein&Itemid=70&lang=de
http://www.bundesraat-nd.de/Dateien/article/157/Chartasprachen%20in%20Deutschland.pdf

Weiterführende Links:
http://www.ndr.de/kultur/norddeutsche_sprache/plattdeutsch/Die-Welt-snackt-Platt,plattdeutscheweltindex105.html
http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/kiek-das-ist-einer-von-uns_a_31,0,260418920.html
http://www.nzz.ch/international/europa/geschichte-der-russlanddeutschen-die-unsichtbaren-deutschen-ld.82556
http://www.ndr.de/kultur/norddeutsche_sprache/plattdeutsch/De-Ehrengaest,hoerspiel1076.html

Der Tag des Kusses (und der platten Nasen)

6. Juli – Tag des Kusses

Woher das Küssen kommt

Wer den komplett durchkommerzialisierten Valentinstag satthat, findet vielleicht am heutigen Tage seine Freude: Seit 1990 wird nämlich am 6. Juli der Tag des Kusses gefeiert. Zum Küssen gibt es verschiedene Theorien: Verhaltensforscher zum Beispiel sehen im Kuss die Weiterentwicklung der früheren Mund-zu-Mund-Fütterung. Dabei wurde die vorgekaute Nahrung den Nachkommen behutsam eingeflößt – bildlich vorgestellt könnte das ganze einem Kuss wohl relativ nahekommen. Psychoanalytiker meinen währenddessen, im Kuss das Saugen an der mütterlichen Brust wiederzuerkennen.
In beiden Fällen scheint der Kuss wohl mit der Nahrungsaufnahme verknüpft gewesen zu sein – und die Redensart, jemanden zum Fressen gern zu haben, bekommt eine ganz neue Dimension.

Heute wird geküsst, geknutscht und geknautscht

Genauso unsicher wie der Ursprung des Küssens als Ritual, ist der Ursprung des Wortes »Kuss« beziehungsweise »küssen«. Die Silbe »ku« ahmt hier vermutlich die Form der Lippen nach, die sich bei der Aussprache des Vokals »u« zu einem Kussmund runden. Bevor die beiden Münder aufeinandertrafen und -treffen, wurden und werden schließlich die Lippen gespitzt. Aus dem Westgermanischen »kuss-ija« für »küssen« entwickelte sich so das althochdeutsche »kussen« und schließlich das »küssen« im Mittelhochdeutschen, das wir in der Form auch heute nutzen.
Ein verwandtes Wort ist »knutschen«. Hier kann man zwar zunächst von ähnlich gespitzten Lippen ausgehen, allerdings war das Wort »knutzen«, von dem »knutschen« abgeleitet ist, ein mittelhochdeutscher Ausdruck für »quetschen«, »zusammendrücken« oder »knautschen«. Erst seit dem 20. Jahrhundert wird der Begriff für die Art des Küssens verwendet, die wir auch heute damit verbinden. So findet sich im Duden die Definition von »knutschen« als »jemanden heftig (ab-)küssen« – und dabei bleibt vom spitzen runden Kussmund beim Knutschen wohl nicht mehr allzu viel übrig.

Küssen macht glücklich und gesund

Sicher ist, dass (trotz des vermeintlichen Gequetsches und Nasenplattdrückens) Küssen gesund ist. Diese Art der Berührung als Ausdruck von Zuneigung und Intimität lässt den menschlichen Körper Dopamin freisetzen und Endorphine ausschütten, die uns zu Glücksgefühlen verhelfen. Ersteres ist ein Neurotransmitter, der unter anderem auch durch Drogen, die das Belohnungssystem des Gehirns aktivieren, stimuliert wird. Kein Wunder also, wenn man nach all den Handküssen, Zungenküssen und Schmetterlingsküssen auf die Idee kommt, für jemanden nach den Sternen zu greifen und einen davon vom Himmel zu holen. Und wenn man schon dabei ist, besagtes Sternchen dann der geliebten (oder geküssten?) Person zu Füßen zu legen, kann man dort mit dem Küssen gleich weitermachen.
Aber ob man für all den Spaß extra einen Tag braucht? Immerhin werden heute statt Blumen vor allem Küsse verschenkt – und vielleicht ja auch ein paar Herzen.

Die Endung macht den Unterschied

Anhängsel

Welches Anhängsel darf‘s denn sein?

Unsere heimischen Adjektive machen es uns heimlich manchmal ganz schön schwer. Und dabei ist im deutschen Wortschatz jedes sechste Wort ein Adjektiv! Die meisten von ihnen leiten sich aus anderen Wörtern (zum Beispiel Nomen oder Verben) ab, wobei es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Adjektive zu bilden. Meistens geschieht das durch Silben, die an das Ende eines Wortstammes gehängt werden, wie hier im ersten Satz zum Beispiel durch »isch« und »lich« an das Wort »Heim«. Bei dieser Art der Wortbildung, auch Derivation genannt, entsteht aus einem ursprünglichen Nomen (hier »Heim«) durch das Anhängen einer Silbe eine neue Wortart. Adjektive können dabei nicht nur aus Nomen, sondern auch aus Verben und anderen Adjektiven entstehen, indem einfach eine Silbe, ein sogenanntes Suffix, hinten angehängt wird. So einfach scheint das Ganze dann allerdings doch wieder nicht zu sein, denn wie wir oben gesehen haben, gibt es nicht nur eine Sorte Suffixe, sondern viele verschiedene, die wiederum auch noch unterschiedliche Bedeutungen mit sich bringen.

kindlich versus kindisch

Weitere Nachsilben, die sich neben »lich« und »isch« mit anderen Wortarten zu Adjektiven verbinden, sind zum Beispiel »bar«, »en«, »ern«, »los«, »sam« oder »haft«. Trotzdem führen sie am Ende selten zur gleichen Bedeutung: Ein Baum ist nicht gewaltsam, nur weil er gewaltig ist; ein Apfel ist fruchtig (fruchtlich ist er nicht) und nur seine Kerne sind fruchtbar; die Natur ist achtbar, aber kann sie auch achtsam sein?

Wenden wir uns zunächst mal den drei von der Form her ähnlichsten Nachsilben zu: »ig«, »lich« und »isch«.
Durch Adjektive mit »ig« wird ausgesagt, dass das, was vom Stamm bezeichnet wird, in irgendeiner Form vorhanden ist. Ein Beispiel hierfür wäre also: »Draußen ist es ruhig. – Draußen ist Ruhe vorhanden.« Währenddessen schreiben die Nachsilben »lich« und »isch« dem neu entstehenden Adjektiv im Grunde die gleiche Bedeutung zu. Sie sagen aus, dass das folgende Wort in irgendeiner Weise von der Art des Wortstammes ist oder mit ihm zu tun hat: »Die Demonstration verlief friedlich. – Die Demonstration verlief von der Art des Friedens.« Auffällig ist dabei, dass sich trotzdem nicht jedes Nomen beliebig mit »lich« oder »isch« verbinden kann und dass es bei den Wörtern, bei denen die Adjektivbildung mit beiden Suffixen funktioniert, verschiedene Konnotationen gibt. Man vergleiche dazu einmal »bäuerlich« mit »bäurisch«, »kindlich« mit »kindisch« oder »weiblich« mit »weibisch«. Die »isch«-Version des jeweiligen Adjektivs wird hier abwertend verwendet und hat eine negative Konnotation, bezeichnet aber im Grunde das Gleiche.

Und wie verhält es sich mit anderen Nachsilben?

Wie facettenreich die Suffixe des Deutschen sind, zeigt folgende (wenn auch unvollständige) Liste:

• Bei Adjektiven, die auf »bar« enden, wird auf eine Handlung Bezug genommen, genauer gesagt auf das, was mit jemandem oder etwas gemacht werden kann: »Dieser Apfel ist essbar. – Man kann ihn essen.«
• Bei »en« und »ern« wird auf den Stoff verwiesen, aus dem etwas gemacht ist: »Die Krone ist hölzern. – Sie ist aus Holz gemacht.«
• »haft« drückt häufig einen Vergleich zwischen der beschriebenen Person oder Sache und dem zugrunde liegenden Nomen aus: »Der Junge benimmt sich babyhaft. – Er benimmt sich wie ein Baby.«
• Kommen wir zu unserem Beispiel mit dem gewaltsamen Baum zurück, stellt sich heraus: »sam« beschreibt, dass der beschriebene Baum von dem Ursprungswort, hier also Gewalt, erfüllt ist. Und Gewalterfülltsein ist für einen Baum eine eher untypische Eigenschaft. (Im Gegensatz dazu kann er aber gewaltig sein, weil in gewisser Weise Gewalt vorhanden ist bzw. er einen Eindruck von Gewalt machen kann.)
• Das Suffix »los« ist ziemlich selbsterklärend: »Der Text ist makellos. – Er hat keine Makel.«

Wem das bei all diesem Bedeutungswirrwarr zu kompliziert ist, der/die kann sich auch auf sogenannte primäre Adjektive beschränken. Diese existieren einfach so und haben selbstständige Bedeutungen, die nicht durch Nachsilben von anderen Wortarten abgeleitet wurden. Dazu gehören zum Beispiel »gut«, »schlecht«, »alt«, »jung«, »wahr«, »falsch«, »schlau«, »dumm«, »schief« und »krumm«. Anstatt eines Sechstels des Gesamtwortschatzes des Deutschen, hat man hier dann aber nur etwa 250 Wörter zur Auswahl. Und das ist auf Dauer vielleicht doch ein bisschen langweilig.

Das »weil« und der Wandel

Peter pflanzt schöne Blumen.

Peter pflanzt schöne Blumen.

Sprachwandel ist ein viel gebrauchtes, viel erforschtes und sicher auch viel gehasstes Wort. Der Dativ, der dem Genitiv sein Tod ist, Anglizismen, die sich überall einschleichen, und Abkürzungen, die um sich greifen, begegnen uns jeden Tag. Ein relativ aktuelles Phänomen, das Sprachpflegern dabei auf den Magen schlägt, ist der weil-Satz. Seit einiger Zeit wird dieser nämlich oft nicht mehr entsprechend all der anderen Nebensätze gebildet, sondern sein Verb bekommt eine neue Stellung, die der von Hauptsätzen entspricht: In Hauptsätzen wie »Peter pflanzt schöne Blumen.« oder »Schöne Blumen pflanzt Peter.« steht das finite Verb – also das Verb, das die Personen- und Zeitform anzeigt – klassischerweise an der zweiten Stelle. Bei Nebensätzen sieht das ganz anders aus. Diese werden durch Wörtchen wie »obwohl«, »damit«, »sodass« usw. eingeleitet. Sie werden als Subjunktionen bezeichnet und stellen die Verbindung zum Hauptsatz her, wobei das Verb dann wiederum an der letzten Stelle steht.

Aus Nebensätzen werden Hauptsätze

Beim weil-Satz scheint sich nun eine Besonderheit einzuschleifen: In der gesprochenen Sprache kommt es mit steigender Häufigkeit vor, dass das Verb plötzlich an die zweite Stelle wandert, obwohl es dort ja eigentlich gar nicht hingehört. Aber ist das falsch? Sprachwandelpessimisten finden: Ja.
Tatsächlich liest sich ein weil-Satz mit Verbzweitstellung eher stirnrunzelnd: »Peter gießt seine Blumen, weil er sieht sie gerne blühen.« Der Nebensatz sieht auf einmal aus wie ein Hauptsatz, die alte Konvention ist nicht mehr zu erkennen. Sprechern solcher Sätze wird dabei oft unterstellt, sie seien für die korrekte Satzbildung zu faul und die neuen Medien hätten einen erschreckenden Einfluss auf sie und unsere Sprache. Es wurde und wird angenommen, das Wörtchen »weil« werde einfach mit dem begründungsliefernden »denn« verwechselt. Bei Sätzen, die durch »denn« eingeleitet werden, handelt es sich nämlich nicht um Neben-, sondern um Hauptsätze, das heißt, ihr Verb steht an zweiter Stelle. Aber liegt hier wirklich eine Verwechslung vor? Entgegen dieser Meinung haben Sprachwissenschaftler bezüglich des weil-Satzes allerhand herausgefunden.

Das »weil« erschließt sich neue Felder

Sie haben die weil-Sätze noch einmal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: Beim Vergleich verschiedener Satzkonstruktionen, in denen »weil« vorkommt, sind die unterschiedlichen Verbstellungen auch mit unterschiedlichen Bedeutungen verknüpft. In der mündlichen Sprache weiß der Sprecher also sehr wohl, in welchen Momenten er das Verb an die zweite Stelle schiebt.
Statt einer Abflachung der Sprache, die allseits behauptet und ängstlich beobachtet wird, liegt also in Wahrheit eine weitere Differenzierung und gesteigerte Komplexität in der Konstruktion von weil-Sätzen vor. So konnten drei verschiedene Typen von Nebensätzen mit »weil« ausgemacht werden: Zunächst gibt es das faktische »weil«, das uns allen als korrekt bekannt ist und für das auch alle Sprachpfleger plädieren. Hier steht das Verb wie gehabt an letzter Stelle. Der Nebensatz gibt hier bezogen auf den Hauptsatz die Antwort auf die Frage »Warum ist das so?«. Ein Beispiel: »Peter gießt seine Blumen, weil sie wachsen und gedeihen sollen.«
Neben dieser Kategorie gibt es das schlussfolgernde »weil« in Sätzen mit Verbzweitstellung. Hier gibt der weil-Satz Antwort auf die Frage »Woher weißt du das?« – »Peter hat seine Blumen gegossen, weil die Gießkanne steht noch draußen.« Hier wird mit dem »weil« kein faktischer Grund geliefert, sondern eine Begründung, die aus der Umgebung abgeleitet ist.
Nebensätze mit sprechhandlungsbezogenem »weil«, bei denen das Verb auch an zweiter Stelle steht, liefern schließlich die Begründung dafür, warum die vorangegangene Aussage mit dem Hauptsatz überhaupt gemacht wurde: »Nachher regnet es wahrscheinlich, weil das kam gestern im Wetterbericht.«

Keine Angst vorm Sprachwandel

Statt dass sich der deutsche Nebensatz mit »weil« also vereinfacht und an Komplexität verliert, kann er mit seinen unkonventionellen Formen ganz im Gegenteil sogar noch eine Menge anderer Gesprächsfunktionen übernehmen. Pessimistische Befürchtungen im Hinblick auf diese Entwicklung sind daher relativ ungerechtfertigt, schließlich befindet sich unsere Sprache in einem steten Wandel. Nicht nur grammatische Formen, sondern auch eine Vielzahl von Wörtern, die wir heute als altmodisch oder unpassend empfinden, haben früher in die allgegenwärtige Alltagssprache gehört und sich von dort aus zusehends an die Peripherie bewegt – und das ohne, dass man sie heute großartig vermisst, weil sie durch neue Wörter oder Formen ersetzt wurden. Ob sich also auch der weil-Satz in seiner aktuell häufigen Verwendungsform irgendwann durchsetzt und seinen Weg in den Duden findet, bleibt noch offen. Wir sind gespannt.

Vom »Weib« zur »Frau«

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Wenn man heutzutage das Wort »Weib« gebraucht, dann nur, um einer missfälligen Bemerkung Luft zu machen. Weiberabend, Weibsbild, Weiberkram, Waschweib und alles andere, was mit Weib zu tun hat, besitzt in unserer Sprache eine negative Konnotation. Weibisch ist im Gegensatz zu weiblich ein abwertender Begriff, in der Sprachwissenschaft auch pejorativ genannt.
Doch das war nicht immer so. Im Alt- und Mittelhochdeutschen, das heißt etwa bis zum 13. Jahrhundert, war das Wort wîp bzw. wîb, von dem Weib abgeleitet ist, noch ein ganz neutral besetzter Ausdruck, der der einfachen Geschlechtsbezeichnung diente. Wîp/wîb war der gängige Begriff ohne jeglichen negativen Beigeschmack und setzte sich auch neutral bis ins Frühneuhochdeutsche fort. So muss man heutzutage also keine bösen Absichten des Autors vermuten, wenn in frühen deutschen Texten vom Weib die Rede ist, sondern kann auf eine unbefangene Wortbedeutung schließen.

Mit »Frau« ist man(n) auf der sicheren Seite

Doch wie hat sich dann das heute verwendete Wort »Frau« durchgesetzt? Der Ursprung liegt hier in den Wörtern frouwe bzw. vrouwe. Diese benannten eine weibliche Adelsperson und wurden zur Markierung der Standesunterschiede gebraucht. Äquivalent zur männlichen Anredeform »Herr« waren sie als weibliche Titelbezeichnungen zu verstehen.
Der Bedeutungswandel, der schließlich das Wort »Weib« herabsetzte und »Frau« in die Alltagssprache eingehen ließ, ist ein unabsichtlicher Nebeneffekt: Vermutlich aus Prestigegründen, der Höflichkeit halber und um die Gesprächspartnerin nicht zu erniedrigen, wählte man(n) eine schmeichelhafte Anrede, obwohl diese möglicherweise nicht standesgemäß war. So war man(n) immerhin auf der sicheren Seite, falls man(n) es doch mit einer Edeldame zu tun hatte. Die regelmäßige Verwendung dieses sprachlichen Mittels führte dann zur Durchsetzung der Bezeichnung »Frau« für weibliche Personen und zur Abwertung des Begriffs »Weib«.

Hinter jeder »Frau« steckt am Ende ein »Herr«?

Schaut man jedoch genauer hin (oder schlägt im etymologischen Wörterbuch nach), stellt sich heraus, dass selbst die Bezeichnung wîp/wîb schon einen Ursprung besitzt, der uns an konservative Rollenbilder denken lässt: Das vermutlich vom indogermanischen abgeleitete uei-b- bzw. uei-p-, was »drehen, sich schwingend bewegen« bedeutet, soll an »die sich geschäftig hin und her bewegende Hausfrau« angelehnt sein.
Dementsprechend geht aber auch frouwe/vrouwe mit seinem Wortstamm fro auf eine althochdeutsche Bezeichnung für »Herr« zurück, sodass frouwe eigentlich dem Wort »Herrin« entspricht.

Und am Ende ist der Kerl sprichwörtlicher Sieger

Ein Zeichen für männliche Dominanz? Wahrscheinlich. Und dafür muss man gar nicht so tief im etymologischen Wörterbuch kramen. Nicht nur Wortursprünge, sondern auch zahlreiche Redewendungen machen deutlich, wer in unserer Sprache die Hosen anhat. Während sich viele dieser Wendungen zu Zeiten der Ständegesellschaft herausbildeten, in der die Unterdrückung und Benachteiligung der Frau (bzw. des wîp/wîb) an der Tagesordnung stand, ist es erstaunlich, wie sich das angeblich abgelegte Patriarchat auch heute noch ganz unbemerkt in unserer Sprache wiederfindet. Allerdings muss man gar kein ausgekochter Spitzbube sein, um bei all den Redensarten am Mann zu bleiben und nicht den Überblick zu verlieren. Dabei die eindeutig positive Besetzung für mit Männlichkeit assoziierte Wörter außer Acht zu lassen, wäre eine Milchmädchenrechnung. So gehen die meisten weiblichen Zuschreibungen eben auch heute noch mit einer negativen Konnotation einher. Das Wort »Weib«, das ja im Ursprung gar kein abwertender Begriff gewesen ist, hat heute eine weit degradierendere Bedeutung als sein Gegenstück »Mann« oder »Kerl«. Da ließe sich eine herrliche Liste anlegen – mein lieber Herr Gesangsverein.