Op Platt – bewahrt oder vergessen?

Plattdeutsch

Nordisch by Nature

Im Jahr 1992 beschloss der Europarat die »Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen«, um die Kultur und Sprache von Minderheiten zukünftig europaweit zu schützen. Für das zwei Jahre zuvor wiedervereinigte Deutschland waren dies die Minderheiten der Sorben, Sinti und Roma sowie Dänen und Friesen samt deren Sprachen. Bis zur Ratifizierung der Charta im Jahr 1998 verpflichteten sich die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, an der Einhaltung und Umsetzung der Vorgaben zur Förderung von Minderheitensprachen im Inneren Deutschlands mitzuwirken. Die Volksgruppe der Friesen repräsentierte mit ihren Dialekten Nord- und Saterfriesisch nur einen kleinen Teil einer flächendeckenden Regionalsprache: dem Niederdeutschen.

Niederdeutsch vom platten Land

Auch als Plattdeutsch bezeichnet, ist Niederdeutsch eine bis heute weitverbreitete Mundart, die eher im ländlichen Raum als Alltagssprache erhalten blieb und häufig von einer demografisch gesehen älteren Generation gesprochen wird. Historisch-sprachwissenschaftlich betrachtet, gibt Niederdeutsch selbst seine Herkunft preis: Die Silbe »nieder« nimmt auf die nördlichen Gebiete des deutschen Sprachraums Bezug und symbolisiert somit das niedere (mittelhochdeutsch für flach oder tief) bzw. »platte« Land. Die Zweite Lautverschiebung innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie ging im Gegensatz zum zeitgenössischen Hochdeutsch am Niederdeutsch vorbei. Das Gebiet der niederdeutschen Sprache und ihrer Dialekte erstreckt sich heutzutage von den Niederlanden bis nach Polen und von Schleswig-Holstein über Südniedersachen bis zur Eifel.

Eine historische Mundart

Über Jahrhunderte zunächst als Mundart gepflegt, verdrängte das vereinheitlichte Schulwesen sowie das reformierte Deutsch seit dem 19. Jahrhundert nach und nach das Plattdeutsch als Muttersprache vieler Einheimischer. Mit ihrem Umzug in eine neue Stadt oder Region oder auf dem Ausbildungsweg verloren einige Muttersprachler ihr Sprachwissen. Da Plattdeutsch der Ruf anhaftete, nur vom ländlichen, bäuerlichen Volk gesprochen zu werden, legten intellektuelle bis elitäre Bildungsinstitutionen keinen Wert auf den Erhalt und die Pflege der langsam aussterbenden Sprache. Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts gab es einen gesellschaftlichen Umschwung: Durch die Förderung der Länder und des Bundes hat sich die Wahrnehmung von Plattdeutsch gewandelt.

Comeback des Plattdeutschen

Die Regionalsprache Niederdeutsch erlebt im 21. Jahrhundert eine bildungspolitische Blütezeit. Sie gilt nun als eine Besonderheit und ein aktiv zu erhaltender Kulturschatz. Immer mehr Kindergärten und Grundschulen in Norddeutschland weisen sich als plattdeutsche Einrichtungen aus, in denen die regionalen Dialekte der Vorfahren gesprochen und unterrichtet werden.
Woher kommt diese Besinnung auf die lokale Kultur und Geschichte? Verantwortlich für den Wiederaufstieg des Niederdeutschen könnte die Globalisierung sein. Die politische, ökonomische, kulturelle und schließlich digitale Ausweitung der Lebenswelt bewirkt nicht nur bei der europäischen Bevölkerung eine Hinwendung zum Lokalen und Regionalen. Dieser Rückzug ins Vertraute resultiert schließlich in der Institutionalisierung und Disziplinierung von Dialekten, die nicht mehr ausschließlich Alteingesessene sowie der örtliche Heimatverein zu bewahren versuchen, sondern ebenfalls Professoren, Lehrer und Kultusminister.

Niederdeutsch in der Bildungspolitik

Durch bildungspolitische Maßnahmen soll Plattdeutsch der jüngeren Generation als Zweitsprache wieder nähergebracht werden – in Form von Frühförderung bis hin zu Abitur- und Studienfächern. Die Beliebtheit des Faches an Hamburger Schulen zeigt, dass Plattdeutsch im Trend liegt: Aufgrund seiner sprachhistorischen Entwicklung ähnelt es dem Englischen und Niederländischen und erscheint vielen durch den simpleren grammatikalischen Aufbau als einfach zu erlernende (Fremd-)Sprache. Jedoch wirft das Unterrichten der niederdeutschen Dialekte eine Frage auf: Ist es möglich, eine über Jahrhunderte gesprochene Mundart nicht nur einheitlich zu verschriftlichen, sondern auch zu prüfen? Schließlich entstand durch die regionale Vielfalt ein Kaleidoskop verschiedener Redensarten sowie unterschiedlichster Intonationen von Wörtern. So ist zu beachten, dass eine Mundart durch Kanonisierung und Disziplinierung zwar überlebt und weiterbesteht, jedoch deren regionale Eigentümlichkeit in den Hintergrund tritt.

Eine Zukunft für Plattdeutsch?

Nichtsdestotrotz bleibt die Sprache zeitgemäß: Mathias Brodkorb, Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, plant, Plattdeutsch als Wahlsprache und sogar Abiturfach an weiterführenden Schulen einzuführen; Hamburger Klinikpersonal nimmt Plattdeutschunterricht, damit sich die älteren Patienten wohler führen; das über 100 Jahre alte Hamburger Ohnsorg-Theater führt moderne Stücke wie »Soul Kitchen« (http://www.ohnsorg.de/spielzeit/stuecke/stueck/soul-kitchen/) von Fatih Akin in Hamburger Platt auf; das »Zentrum für Niederdeutsch in Holstein« (ZFN) (http://www.niederdeutschzentrum.de/) veranstaltet seit 2011 den Bandwettbewerb »Plattsounds« (http://www.plattsounds.de/); der erste Harry-Potter-Band ist als »Harry Potter un de Wunnersteen« in plattdeutscher Sprache erhältlich. Diese Beispiele sind nur einige der Erfolgsgeschichten, die auf eine positive Zukunft für den Erhalt des niederdeutschen Sprachschatzes hindeuten. Die Vorhaben, die im Jahr 1992 auf Regierungsebene angestoßen wurden, konnten in den vergangenen 24 Jahren in großen Teilen auf lokaler Ebene umgesetzt werden. Ihre weitere Zukunft sicherte im November 2014 die Konferenz »Charta-Sprachen in Deutschland – Ein Thema für alle!«. Damit hat sich eine oft vorurteilsbehaftete Mundart zu einer beliebten Zweitsprache der nord-west-ostdeutschen Bevölkerung gewandelt.

Links:
http://www.minderheitensekretariat.de/schwerpunkte/sprachenkonferenz-2014/
http://www.ndr.de/wellenord/sendungen/plattdeutsch/Neue-Leitung-des-Plattdeutsch-Zentrum-Holstein,boernsen106.html
http://www.abendblatt.de/nachrichten/article207460471/Der-Plattmacher.html
http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article153421672/Fatih-Akins-Soul-Kitchen-als-Buehnenstueck-op-platt.html
http://www.sueddeutsche.de/bildung/snacken-und-kloenen-fremde-heimatsprache-1.2882943-2
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/plattdeutsch-im-abitur-diese-andere-kuriosen-abi-faecher-gibt-es-a-1086923.html
http://www.welt.de/regionales/hamburg/article150577097/Plattdeutsch-macht-Peinliches-weniger-peinlich.html
http://www.bundesraat-nd.de/index.php?option=com_content&view=article&id=87%3Achartaallgemein&catid=58%3Asprachenchartaallgemein&Itemid=70&lang=de
http://www.bundesraat-nd.de/Dateien/article/157/Chartasprachen%20in%20Deutschland.pdf

Weiterführende Links:
http://www.ndr.de/kultur/norddeutsche_sprache/plattdeutsch/Die-Welt-snackt-Platt,plattdeutscheweltindex105.html
http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/kiek-das-ist-einer-von-uns_a_31,0,260418920.html
http://www.nzz.ch/international/europa/geschichte-der-russlanddeutschen-die-unsichtbaren-deutschen-ld.82556
http://www.ndr.de/kultur/norddeutsche_sprache/plattdeutsch/De-Ehrengaest,hoerspiel1076.html

Der Tag des Kusses (und der platten Nasen)

6. Juli – Tag des Kusses

Woher das Küssen kommt

Wer den komplett durchkommerzialisierten Valentinstag satthat, findet vielleicht am heutigen Tage seine Freude: Seit 1990 wird nämlich am 6. Juli der Tag des Kusses gefeiert. Zum Küssen gibt es verschiedene Theorien: Verhaltensforscher zum Beispiel sehen im Kuss die Weiterentwicklung der früheren Mund-zu-Mund-Fütterung. Dabei wurde die vorgekaute Nahrung den Nachkommen behutsam eingeflößt – bildlich vorgestellt könnte das ganze einem Kuss wohl relativ nahekommen. Psychoanalytiker meinen währenddessen, im Kuss das Saugen an der mütterlichen Brust wiederzuerkennen.
In beiden Fällen scheint der Kuss wohl mit der Nahrungsaufnahme verknüpft gewesen zu sein – und die Redensart, jemanden zum Fressen gern zu haben, bekommt eine ganz neue Dimension.

Heute wird geküsst, geknutscht und geknautscht

Genauso unsicher wie der Ursprung des Küssens als Ritual, ist der Ursprung des Wortes »Kuss« beziehungsweise »küssen«. Die Silbe »ku« ahmt hier vermutlich die Form der Lippen nach, die sich bei der Aussprache des Vokals »u« zu einem Kussmund runden. Bevor die beiden Münder aufeinandertrafen und -treffen, wurden und werden schließlich die Lippen gespitzt. Aus dem Westgermanischen »kuss-ija« für »küssen« entwickelte sich so das althochdeutsche »kussen« und schließlich das »küssen« im Mittelhochdeutschen, das wir in der Form auch heute nutzen.
Ein verwandtes Wort ist »knutschen«. Hier kann man zwar zunächst von ähnlich gespitzten Lippen ausgehen, allerdings war das Wort »knutzen«, von dem »knutschen« abgeleitet ist, ein mittelhochdeutscher Ausdruck für »quetschen«, »zusammendrücken« oder »knautschen«. Erst seit dem 20. Jahrhundert wird der Begriff für die Art des Küssens verwendet, die wir auch heute damit verbinden. So findet sich im Duden die Definition von »knutschen« als »jemanden heftig (ab-)küssen« – und dabei bleibt vom spitzen runden Kussmund beim Knutschen wohl nicht mehr allzu viel übrig.

Küssen macht glücklich und gesund

Sicher ist, dass (trotz des vermeintlichen Gequetsches und Nasenplattdrückens) Küssen gesund ist. Diese Art der Berührung als Ausdruck von Zuneigung und Intimität lässt den menschlichen Körper Dopamin freisetzen und Endorphine ausschütten, die uns zu Glücksgefühlen verhelfen. Ersteres ist ein Neurotransmitter, der unter anderem auch durch Drogen, die das Belohnungssystem des Gehirns aktivieren, stimuliert wird. Kein Wunder also, wenn man nach all den Handküssen, Zungenküssen und Schmetterlingsküssen auf die Idee kommt, für jemanden nach den Sternen zu greifen und einen davon vom Himmel zu holen. Und wenn man schon dabei ist, besagtes Sternchen dann der geliebten (oder geküssten?) Person zu Füßen zu legen, kann man dort mit dem Küssen gleich weitermachen.
Aber ob man für all den Spaß extra einen Tag braucht? Immerhin werden heute statt Blumen vor allem Küsse verschenkt – und vielleicht ja auch ein paar Herzen.

Die Endung macht den Unterschied

Anhängsel

Welches Anhängsel darf‘s denn sein?

Unsere heimischen Adjektive machen es uns heimlich manchmal ganz schön schwer. Und dabei ist im deutschen Wortschatz jedes sechste Wort ein Adjektiv! Die meisten von ihnen leiten sich aus anderen Wörtern (zum Beispiel Nomen oder Verben) ab, wobei es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Adjektive zu bilden. Meistens geschieht das durch Silben, die an das Ende eines Wortstammes gehängt werden, wie hier im ersten Satz zum Beispiel durch »isch« und »lich« an das Wort »Heim«. Bei dieser Art der Wortbildung, auch Derivation genannt, entsteht aus einem ursprünglichen Nomen (hier »Heim«) durch das Anhängen einer Silbe eine neue Wortart. Adjektive können dabei nicht nur aus Nomen, sondern auch aus Verben und anderen Adjektiven entstehen, indem einfach eine Silbe, ein sogenanntes Suffix, hinten angehängt wird. So einfach scheint das Ganze dann allerdings doch wieder nicht zu sein, denn wie wir oben gesehen haben, gibt es nicht nur eine Sorte Suffixe, sondern viele verschiedene, die wiederum auch noch unterschiedliche Bedeutungen mit sich bringen.

kindlich versus kindisch

Weitere Nachsilben, die sich neben »lich« und »isch« mit anderen Wortarten zu Adjektiven verbinden, sind zum Beispiel »bar«, »en«, »ern«, »los«, »sam« oder »haft«. Trotzdem führen sie am Ende selten zur gleichen Bedeutung: Ein Baum ist nicht gewaltsam, nur weil er gewaltig ist; ein Apfel ist fruchtig (fruchtlich ist er nicht) und nur seine Kerne sind fruchtbar; die Natur ist achtbar, aber kann sie auch achtsam sein?

Wenden wir uns zunächst mal den drei von der Form her ähnlichsten Nachsilben zu: »ig«, »lich« und »isch«.
Durch Adjektive mit »ig« wird ausgesagt, dass das, was vom Stamm bezeichnet wird, in irgendeiner Form vorhanden ist. Ein Beispiel hierfür wäre also: »Draußen ist es ruhig. – Draußen ist Ruhe vorhanden.« Währenddessen schreiben die Nachsilben »lich« und »isch« dem neu entstehenden Adjektiv im Grunde die gleiche Bedeutung zu. Sie sagen aus, dass das folgende Wort in irgendeiner Weise von der Art des Wortstammes ist oder mit ihm zu tun hat: »Die Demonstration verlief friedlich. – Die Demonstration verlief von der Art des Friedens.« Auffällig ist dabei, dass sich trotzdem nicht jedes Nomen beliebig mit »lich« oder »isch« verbinden kann und dass es bei den Wörtern, bei denen die Adjektivbildung mit beiden Suffixen funktioniert, verschiedene Konnotationen gibt. Man vergleiche dazu einmal »bäuerlich« mit »bäurisch«, »kindlich« mit »kindisch« oder »weiblich« mit »weibisch«. Die »isch«-Version des jeweiligen Adjektivs wird hier abwertend verwendet und hat eine negative Konnotation, bezeichnet aber im Grunde das Gleiche.

Und wie verhält es sich mit anderen Nachsilben?

Wie facettenreich die Suffixe des Deutschen sind, zeigt folgende (wenn auch unvollständige) Liste:

• Bei Adjektiven, die auf »bar« enden, wird auf eine Handlung Bezug genommen, genauer gesagt auf das, was mit jemandem oder etwas gemacht werden kann: »Dieser Apfel ist essbar. – Man kann ihn essen.«
• Bei »en« und »ern« wird auf den Stoff verwiesen, aus dem etwas gemacht ist: »Die Krone ist hölzern. – Sie ist aus Holz gemacht.«
• »haft« drückt häufig einen Vergleich zwischen der beschriebenen Person oder Sache und dem zugrunde liegenden Nomen aus: »Der Junge benimmt sich babyhaft. – Er benimmt sich wie ein Baby.«
• Kommen wir zu unserem Beispiel mit dem gewaltsamen Baum zurück, stellt sich heraus: »sam« beschreibt, dass der beschriebene Baum von dem Ursprungswort, hier also Gewalt, erfüllt ist. Und Gewalterfülltsein ist für einen Baum eine eher untypische Eigenschaft. (Im Gegensatz dazu kann er aber gewaltig sein, weil in gewisser Weise Gewalt vorhanden ist bzw. er einen Eindruck von Gewalt machen kann.)
• Das Suffix »los« ist ziemlich selbsterklärend: »Der Text ist makellos. – Er hat keine Makel.«

Wem das bei all diesem Bedeutungswirrwarr zu kompliziert ist, der/die kann sich auch auf sogenannte primäre Adjektive beschränken. Diese existieren einfach so und haben selbstständige Bedeutungen, die nicht durch Nachsilben von anderen Wortarten abgeleitet wurden. Dazu gehören zum Beispiel »gut«, »schlecht«, »alt«, »jung«, »wahr«, »falsch«, »schlau«, »dumm«, »schief« und »krumm«. Anstatt eines Sechstels des Gesamtwortschatzes des Deutschen, hat man hier dann aber nur etwa 250 Wörter zur Auswahl. Und das ist auf Dauer vielleicht doch ein bisschen langweilig.

Das »weil« und der Wandel

Peter pflanzt schöne Blumen.

Peter pflanzt schöne Blumen.

Sprachwandel ist ein viel gebrauchtes, viel erforschtes und sicher auch viel gehasstes Wort. Der Dativ, der dem Genitiv sein Tod ist, Anglizismen, die sich überall einschleichen, und Abkürzungen, die um sich greifen, begegnen uns jeden Tag. Ein relativ aktuelles Phänomen, das Sprachpflegern dabei auf den Magen schlägt, ist der weil-Satz. Seit einiger Zeit wird dieser nämlich oft nicht mehr entsprechend all der anderen Nebensätze gebildet, sondern sein Verb bekommt eine neue Stellung, die der von Hauptsätzen entspricht: In Hauptsätzen wie »Peter pflanzt schöne Blumen.« oder »Schöne Blumen pflanzt Peter.« steht das finite Verb – also das Verb, das die Personen- und Zeitform anzeigt – klassischerweise an der zweiten Stelle. Bei Nebensätzen sieht das ganz anders aus. Diese werden durch Wörtchen wie »obwohl«, »damit«, »sodass« usw. eingeleitet. Sie werden als Subjunktionen bezeichnet und stellen die Verbindung zum Hauptsatz her, wobei das Verb dann wiederum an der letzten Stelle steht.

Aus Nebensätzen werden Hauptsätze

Beim weil-Satz scheint sich nun eine Besonderheit einzuschleifen: In der gesprochenen Sprache kommt es mit steigender Häufigkeit vor, dass das Verb plötzlich an die zweite Stelle wandert, obwohl es dort ja eigentlich gar nicht hingehört. Aber ist das falsch? Sprachwandelpessimisten finden: Ja.
Tatsächlich liest sich ein weil-Satz mit Verbzweitstellung eher stirnrunzelnd: »Peter gießt seine Blumen, weil er sieht sie gerne blühen.« Der Nebensatz sieht auf einmal aus wie ein Hauptsatz, die alte Konvention ist nicht mehr zu erkennen. Sprechern solcher Sätze wird dabei oft unterstellt, sie seien für die korrekte Satzbildung zu faul und die neuen Medien hätten einen erschreckenden Einfluss auf sie und unsere Sprache. Es wurde und wird angenommen, das Wörtchen »weil« werde einfach mit dem begründungsliefernden »denn« verwechselt. Bei Sätzen, die durch »denn« eingeleitet werden, handelt es sich nämlich nicht um Neben-, sondern um Hauptsätze, das heißt, ihr Verb steht an zweiter Stelle. Aber liegt hier wirklich eine Verwechslung vor? Entgegen dieser Meinung haben Sprachwissenschaftler bezüglich des weil-Satzes allerhand herausgefunden.

Das »weil« erschließt sich neue Felder

Sie haben die weil-Sätze noch einmal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: Beim Vergleich verschiedener Satzkonstruktionen, in denen »weil« vorkommt, sind die unterschiedlichen Verbstellungen auch mit unterschiedlichen Bedeutungen verknüpft. In der mündlichen Sprache weiß der Sprecher also sehr wohl, in welchen Momenten er das Verb an die zweite Stelle schiebt.
Statt einer Abflachung der Sprache, die allseits behauptet und ängstlich beobachtet wird, liegt also in Wahrheit eine weitere Differenzierung und gesteigerte Komplexität in der Konstruktion von weil-Sätzen vor. So konnten drei verschiedene Typen von Nebensätzen mit »weil« ausgemacht werden: Zunächst gibt es das faktische »weil«, das uns allen als korrekt bekannt ist und für das auch alle Sprachpfleger plädieren. Hier steht das Verb wie gehabt an letzter Stelle. Der Nebensatz gibt hier bezogen auf den Hauptsatz die Antwort auf die Frage »Warum ist das so?«. Ein Beispiel: »Peter gießt seine Blumen, weil sie wachsen und gedeihen sollen.«
Neben dieser Kategorie gibt es das schlussfolgernde »weil« in Sätzen mit Verbzweitstellung. Hier gibt der weil-Satz Antwort auf die Frage »Woher weißt du das?« – »Peter hat seine Blumen gegossen, weil die Gießkanne steht noch draußen.« Hier wird mit dem »weil« kein faktischer Grund geliefert, sondern eine Begründung, die aus der Umgebung abgeleitet ist.
Nebensätze mit sprechhandlungsbezogenem »weil«, bei denen das Verb auch an zweiter Stelle steht, liefern schließlich die Begründung dafür, warum die vorangegangene Aussage mit dem Hauptsatz überhaupt gemacht wurde: »Nachher regnet es wahrscheinlich, weil das kam gestern im Wetterbericht.«

Keine Angst vorm Sprachwandel

Statt dass sich der deutsche Nebensatz mit »weil« also vereinfacht und an Komplexität verliert, kann er mit seinen unkonventionellen Formen ganz im Gegenteil sogar noch eine Menge anderer Gesprächsfunktionen übernehmen. Pessimistische Befürchtungen im Hinblick auf diese Entwicklung sind daher relativ ungerechtfertigt, schließlich befindet sich unsere Sprache in einem steten Wandel. Nicht nur grammatische Formen, sondern auch eine Vielzahl von Wörtern, die wir heute als altmodisch oder unpassend empfinden, haben früher in die allgegenwärtige Alltagssprache gehört und sich von dort aus zusehends an die Peripherie bewegt – und das ohne, dass man sie heute großartig vermisst, weil sie durch neue Wörter oder Formen ersetzt wurden. Ob sich also auch der weil-Satz in seiner aktuell häufigen Verwendungsform irgendwann durchsetzt und seinen Weg in den Duden findet, bleibt noch offen. Wir sind gespannt.

Vom »Weib« zur »Frau«

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Vom Waschweib zur modernen Frau: So funktioniert’s.

Wenn man heutzutage das Wort »Weib« gebraucht, dann nur, um einer missfälligen Bemerkung Luft zu machen. Weiberabend, Weibsbild, Weiberkram, Waschweib und alles andere, was mit Weib zu tun hat, besitzt in unserer Sprache eine negative Konnotation. Weibisch ist im Gegensatz zu weiblich ein abwertender Begriff, in der Sprachwissenschaft auch pejorativ genannt.
Doch das war nicht immer so. Im Alt- und Mittelhochdeutschen, das heißt etwa bis zum 13. Jahrhundert, war das Wort wîp bzw. wîb, von dem Weib abgeleitet ist, noch ein ganz neutral besetzter Ausdruck, der der einfachen Geschlechtsbezeichnung diente. Wîp/wîb war der gängige Begriff ohne jeglichen negativen Beigeschmack und setzte sich auch neutral bis ins Frühneuhochdeutsche fort. So muss man heutzutage also keine bösen Absichten des Autors vermuten, wenn in frühen deutschen Texten vom Weib die Rede ist, sondern kann auf eine unbefangene Wortbedeutung schließen.

Mit »Frau« ist man(n) auf der sicheren Seite

Doch wie hat sich dann das heute verwendete Wort »Frau« durchgesetzt? Der Ursprung liegt hier in den Wörtern frouwe bzw. vrouwe. Diese benannten eine weibliche Adelsperson und wurden zur Markierung der Standesunterschiede gebraucht. Äquivalent zur männlichen Anredeform »Herr« waren sie als weibliche Titelbezeichnungen zu verstehen.
Der Bedeutungswandel, der schließlich das Wort »Weib« herabsetzte und »Frau« in die Alltagssprache eingehen ließ, ist ein unabsichtlicher Nebeneffekt: Vermutlich aus Prestigegründen, der Höflichkeit halber und um die Gesprächspartnerin nicht zu erniedrigen, wählte man(n) eine schmeichelhafte Anrede, obwohl diese möglicherweise nicht standesgemäß war. So war man(n) immerhin auf der sicheren Seite, falls man(n) es doch mit einer Edeldame zu tun hatte. Die regelmäßige Verwendung dieses sprachlichen Mittels führte dann zur Durchsetzung der Bezeichnung »Frau« für weibliche Personen und zur Abwertung des Begriffs »Weib«.

Hinter jeder »Frau« steckt am Ende ein »Herr«?

Schaut man jedoch genauer hin (oder schlägt im etymologischen Wörterbuch nach), stellt sich heraus, dass selbst die Bezeichnung wîp/wîb schon einen Ursprung besitzt, der uns an konservative Rollenbilder denken lässt: Das vermutlich vom indogermanischen abgeleitete uei-b- bzw. uei-p-, was »drehen, sich schwingend bewegen« bedeutet, soll an »die sich geschäftig hin und her bewegende Hausfrau« angelehnt sein.
Dementsprechend geht aber auch frouwe/vrouwe mit seinem Wortstamm fro auf eine althochdeutsche Bezeichnung für »Herr« zurück, sodass frouwe eigentlich dem Wort »Herrin« entspricht.

Und am Ende ist der Kerl sprichwörtlicher Sieger

Ein Zeichen für männliche Dominanz? Wahrscheinlich. Und dafür muss man gar nicht so tief im etymologischen Wörterbuch kramen. Nicht nur Wortursprünge, sondern auch zahlreiche Redewendungen machen deutlich, wer in unserer Sprache die Hosen anhat. Während sich viele dieser Wendungen zu Zeiten der Ständegesellschaft herausbildeten, in der die Unterdrückung und Benachteiligung der Frau (bzw. des wîp/wîb) an der Tagesordnung stand, ist es erstaunlich, wie sich das angeblich abgelegte Patriarchat auch heute noch ganz unbemerkt in unserer Sprache wiederfindet. Allerdings muss man gar kein ausgekochter Spitzbube sein, um bei all den Redensarten am Mann zu bleiben und nicht den Überblick zu verlieren. Dabei die eindeutig positive Besetzung für mit Männlichkeit assoziierte Wörter außer Acht zu lassen, wäre eine Milchmädchenrechnung. So gehen die meisten weiblichen Zuschreibungen eben auch heute noch mit einer negativen Konnotation einher. Das Wort »Weib«, das ja im Ursprung gar kein abwertender Begriff gewesen ist, hat heute eine weit degradierendere Bedeutung als sein Gegenstück »Mann« oder »Kerl«. Da ließe sich eine herrliche Liste anlegen – mein lieber Herr Gesangsverein.

VERSTEHST DU JETZT BESSER, WAS ICH MEINE …?!?!?!

anabelle
In Zeiten von Emojis und Kurztextnachrichten tendieren wir immer mehr dazu, unsere Aussagen durch typografische Elemente unterstreichen zu wollen. Davon sind auch Autoren nicht ausgenommen. Doch wird der Einsatz von Stilelementen – denn dazu werden die folgenden Beispiele in einem Roman – durch übermäßigen Gebrauch bedeutungslos.

Gezielt verwendete Auslassungspunkte können suggerierend wirken … Stehen sie jedoch am Ende jedes zweiten Satzes, wirkt es, als wären sich ein Erzähler oder eine Figur ihrer Aussagen selbst nicht sicher. In einem Dialog kann die Kombination aus Frage- und Ausrufezeichen die Betonung eines Satzes unterstreichen. Doch ist es nicht viel spannender, diese mit Worten zu verdeutlichen?! In einem Roman kann das Schreiben in Großbuchstaben das Augenmerk des Lesers punktuell auf die WICHTIGKEIT oder Art und Weise einer Aussage hinweisen. IN EINEM FORT WIRKEN SIE JEDOCH ALBERN. Und wenn in einer Konversation ständig Ausrufezeichen am Satzende folgen, könnte man meinen, die handelnden Personen hätten einen leichten Hang zur Aggressivität! Das braucht kein Mensch! Geschweige denn ein Roman!

Lassen Sie lieber Worte sprechen. Dem Lesefluss tut es genau so gut wie der Atmosphäre: Stellen Sie sich der Herausforderung und bedienen Sie sich am großen Wortschatz unserer schönen Sprache. Lassen Sie Ihre Figuren nachdrücklich flüstern, stirnrunzelnd fragen, mit Misstrauen in der Stimme schreien oder auch mal schallend lachen. In den imaginären Ohren Ihrer Leser werden die gesprochenen Worte einen individuellen Ton annehmen. Und sollte dann doch einmal etwas ausgelassen oder angedeutet werden … eine Verwunderung unterstrichen – wirklich jetzt?! – oder ein besonders lautes Schreien UNERLÄSSLICH sein, fällt es Ihren Lesern auf. Und sie schmunzeln dabei, halten vor Spannung die Luft an oder erschrecken sich womöglich sogar.

Ist die Liebe zur typografischen Lautmalerei dann doch so unbändig groß, dass sie in der Lektüre vertieft werden will, empfehlen wir den Griff zu einem der vielen gelungenen Comics oder einem Roman von Walter Moers.

Geliked? Gelikt? Geliket?

geliked
Like: Für dieses aus dem Englischen ins Deutsche eingewanderte Verb ist Facebook verantwortlich – genau genommen der »Like«-Button. Hat man den »Gefällt mir«-Button gedrückt, hat man einen Beitrag, ein Bild oder die Rotkel-Facebook-Seite geliked … gelikt oder doch etwa geliket?

Wie also wird die Partizipform von liken gebildet? Die einzig korrekte Regel der Flexion eingedeutschter Verben gibt es nicht, dafür aber eine Empfehlung der Duden-Redaktion; diese bevorzugt die gleichen Regeln wie für die deutschen Verben.

Die Grundformel zur Bildung von Partizipformen schwacher Verben lautet: ge + Wortstamm + t. Der Wortstamm ist das, was übrig bleibt, wenn man die Vor- und Nachsilbe und die Flexionsendung abzieht; bei liken ist der Wortstamm lik. Nach dieser Formel lautet die Partizipform von like gelikt (ge + lik + t = gelikt). Klingt komisch, ist aber so.

Nach diesem Muster werden auch andere Partizipien schwacher Verben gebildet: faken/gefakt, tunen/getunt, managen/gemanagt, mobben/gemobbt, crashen/gecrasht, booten/gebootet, flirten/geflirtet, posten/gepostet, downloaden/gedownloadet, dealen/gedealt, mailen/gemailt, joggen/gejoggt, clicken/geclickt, shoppen/geshoppt, twittern/getwittert.

Also, alles klar? Wir hoffen, ihr habt nach der Lektüre dieses Blogs brav unsere Rotkel Facebook gelikt, geshart, getwittert und geinstagramt.

Abschlussarbeit mit Mehrwert: Interview mit einem der Macher von die-masterarbeit.de

Team_Die MasterarbeitNicht nur Großkonzerne, auch klein- und mittelständische Unternehmen bieten Studierenden Themen für Abschlussarbeiten an. Mit mittlerweile 700 Firmen in der Datenbank hilft die Internetplattform die-masterarbeit.de Studierenden dabei, das passende Masterarbeitsthema in einem Unternehmen zu finden. Über das Projekt sprachen wir mit Steffen Bünau, einem der Gründer der Seite.

Rotkel: Gemeinsam mit zwei Kommilitonen betreibst du das Internetportal die-masterarbeit.de, auf dem Studierende in der Themenfindung zu ihren Abschlussarbeiten unterstützt werden. Was findet man auf eurer Internetseite genau, und wie kam es zu der Idee für das Projekt?

Steffen Bünau: Auf unserer Webseite findet man mehr als 1.300 Themenvorschläge für Abschlussarbeiten bei Unternehmen. Studierende können durch www.die-masterarbeit.de oder www.die-bachelorarbeit.de ein Thema finden und eine Arbeit schreiben, die danach nicht in der Schublade verstaubt, sondern konkreten Mehrwert schafft. Wir stellen auf unserer Plattform das Thema in den Vordergrund. Ein Beispiel aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften wäre eine Fragestellung wie „Erarbeitung von neuen Vergütungsstrukturen, Sachleistungen und Arbeitsbedingungen für die Generation Y“. Das Unternehmen hinter dieser Frage ist nicht zwangsläufig allen Studierenden bekannt, über Fragestellungen wie diese bieten wir so Studierenden die Chance, neue Unternehmen kennenzulernen. Damit sind wir auch schon bei der Entstehungsgeschichte: Wir haben selbst unsere Abschlussarbeiten mit Unternehmen hinter uns geschrieben. Unser Problem bei der Suche nach einer Aufgabe für die Abschlussarbeit war, dass es eben nicht möglich ist, über ein Thema ein Unternehmen zu finden – das bedeutet, unser Pool war begrenzt auf die Unternehmen, die wir bereits kannten. Das möchten wir mit die-masterarbeit.de ändern.

Euer Ziel ist es nicht nur, Studierenden bei der Themenwahl für die Master- oder Bachelorarbeit behilflich zu sein, sondern auch Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchs zu unterstützen. Wie kommen Studierende und Unternehmen über eure Seite zusammen?

Wir halten den Prozess so einfach, wie es geht: Nach der Auswahl des Fachgebietes und der Region zeigen wir dem Studierenden alle relevanten Themen. Ohne Anmeldung und komplett kostenlos. Ist ein Thema spannend, gelangt der Studierende mit einem Klick auf die Seite des Unternehmens und kann dort den Bewerbungsprozess starten. Für die Unternehmen ist dies eine große Chance, mit ihren Aufgaben für sich zu werben. Dies ist insbesondere für weniger bekannte Firmen, Hidden Champions und einen Großteil des innovativen Mittelstandes sehr relevant. Das zeigt sich auch daran, dass die meisten Unternehmen sich aktiv bei uns melden, damit wir den Studierenden immer die aktuellsten Themen zeigen. Zu Beginn, als wir die Themensammlung eher für uns selbst schufen, haben wir noch viel gegoogelt, dank der großen Nachfrage erhalten wir die meisten Themen inzwischen direkt. Sollte einmal kein Thema für die Studierenden dabei sein, helfen wir auch bei Initiativbewerbungen, durch unsere Datenbank haben wir einen guten Überblick über Themen und Unternehmen im Bundesgebiet.

Auf eurer Facebook-Seite habt ihr vor Kurzem von einem mittelständischen Unternehmen aus Bayern berichtet, das über die-masterarbeit.de viele hoch qualifizierte Bewerbungen zugeschickt bekommt. Welche Resonanz hat das Projekt bisher? Wer nutzt euer Angebot?

Das Projekt hat sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Unternehmen eine überraschend große Resonanz. In den Monaten seit der ersten Version unserer Seite hatten wir mehr als 70.000 Seitenaufrufe. Die große Aufmerksamkeit, die einige spezialisierte Unternehmen über unsere Seite erfahren haben, ging sogar so weit, dass uns Unternehmen baten, ihr Angebot nach wenigen Tagen wieder zu entfernen, da die Vielzahl der bereits eingegangenen Bewerbungen erst einmal verdaut werden musste. Das Interesse der Unternehmen stieg zum neuen Semester und nach dem Bericht im Deutschlandfunk schnell an, sodass wir im Moment knapp 700 Firmen in unserer Datenbank haben. Thematisch decken wir alle Fachbereiche ab, das größte Angebot gibt es aktuell in den Kategorien Ingenieurwissenschaften, Informatik, Wirtschaftswissenschaften und den Naturwissenschaften.

Eine Abschlussarbeit kann auch unabhängig von einem Unternehmen geschrieben werden. Welche Vorteile bringt es deiner Meinung nach, wenn sich Studierende für eine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen entscheiden? Welche Vorteile haben Unternehmen von den Studierenden?

Zum einen kann man über eine spannende Aufgabe Unternehmen finden, die einem vorher unbekannt waren: Es gibt eine Vielzahl wirklich spannender Unternehmen, die nicht sofort ins Auge fallen. Zum anderen ist die konkrete Projektarbeit ein sehr effektiver Einstieg in ein Unternehmen, sodass es oft zu Übernahmeangeboten kommt.

Was sollten sowohl Studierende als auch Unternehmen bei der Themengestaltung beachten?

Wichtig ist, dass Bachelorarbeit und Masterarbeit akademische Prüfungsleistungen sind: Das bedeutet, dass das Thema früh mit potenziellen Betreuern abgestimmt werden sollte. Durch eine frühzeitige Kommunikation lassen sich mögliche Probleme vermeiden, dazu haben wir Informationen auf unserem Blog gesammelt.

Zurzeit betreut ihr die-masterarbeit.de neben dem Studium. Irgendwann seid ihr mit der Uni fertig. Gibt es bereits Pläne für die Zukunft des Projekts?

Wir lösen ein echtes Problem für Studierende und helfen innovativen Unternehmen, interessierte Studierende zu finden: Wir wollen unser Projekt in jedem Fall auch nachhaltig aufstellen.

Vielen Dank für das Interview.

Foto: Das Team von die-masterarbeit.de. Steffen Bünau in der Mitte.

Buterbrod бутерброд

buterbrodyVon 1999 bis 2008 erklärte eine deutsche Agrarmarketing-Organisation den letzten Freitag im September zum Tag des Butterbrotes, der bis heute von manchen Bäckereien für Werbeaktionen genutzt wird.

Das Butterbrot ist nicht nur einer der beliebtesten Pausensnacks in Deutschland, sondern auch eines der am häufigsten gebrauchten deutschen Lehnwörter im Russischen. Wer in Russland ein »buterbrod« bestellt, findet auf der Brotscheibe allerdings nicht nur Butter, dafür aber umso mehr Wurst, Käse oder Kaviar vor. Es entspricht also eher einem belegten Brot.

Wann der Begriff in den russischen Sprachschatz Eingang gefunden hat, ist nicht eindeutig nachgewiesen. Eine häufige Erklärung macht russische Soldaten zu Kriegszeiten für das deutsche Lehnwort verantwortlich. Als fester Bestandteil der russischen Küche wird das »buterbrod« heutzutage besonders gern bei Abendveranstaltungen und Festlichkeiten in vielfältigen Variationen serviert.

Polnischer Abgang variiert

Polnischer Abgang

Wer von einer Party verschwindet, ohne sich von Gastgeber und Gästen zu verabschieden, macht im Deutschen einen »polnischen Abgang« oder »verabschiedet sich auf Französisch«. Die umgangssprachliche Redewendung variiert in Deutschland von Region zu Region. Im Berliner Raum greift man auf Polen, in Südwestdeutschland auf Frankreich zurück.

Den Polen oder Franzos’ machen

Woher die Redewendungen kommen, ist nicht eindeutig geklärt. Der polnische Abgang ist wahrscheinlich nach dem Mauerfall entstanden, zu einer Zeit, in der Polenwitze zu Diebstahldelikten Hochkonjunktur hatten (Ableitung = sich davonstehlen). Die französische Variante ist älter. Bereits im 18. Jahrhundert unterstellte man den Franzosen, dass sie Feste ohne Abschiedsworte verließen.

Sich aus dem Staub machen

Das heimliche Weggehen wird nicht nur in Deutschland den Bewohnern anderer Länder zugeschrieben. Der französische Abgang findet sich zum Beispiel auch im Englischen mit »to take French leave« und im Spanischen mit »despedirse a la francesa«. In Polen bedient man sich beim polnischen Abgang wiederum der Engländer mit »wyjść po angielsku« genauso wie auch in Frankreich mit »filer à l’anglaise«.

Da stellt sich uns doch die Frage, in welchem Land die Deutschen für den unhöflichen Abgang herangezogen werden.